Dienstag, 22. August 2017

Was ich in diesem Sommer hauptsächlich getan habe...

Ich liebe es, wenn ein Buch funktioniert. Bild: Kirsten Riehl

Es war defintiv ein Literatursommer. Zehn Romane in fünf Wochen, das ist keine schlechte Bilanz. Außerdem haben wir die lesungsfreie Zeit genossen. Es war an der Zeit, Kräfte zu sammeln. Im Herbst geht es dann mit neuen Projekten weiter. In eines davon haben wir im Verlauf der letzten Wochen schon viel Arbeit  investiert.Wer wir ist und worum es genau geht, darüber erfahrt ihr in nächster Zeit mehr. Nur soviel: Es ist ein neues Konzept.
Die Zigarre auf dem Bild ist  übrigens eine Gurkha. Äußerst empfehlenswert. Dank für den Tipp an Felix Münter.

Sonntag, 20. August 2017

Samstag, 19. August 2017

Gelesen: "NOW" von Stephan R. Meier...



NOW ist eine KI mit Emotionen und Sinn für Schönheit und vollem Informationszugriff auf jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Dank Social Media kennt NOW all unsere Bedürfnisse und kann auf Basis  aller vorliegenden Daten - des verheerenden Kontostands beispielsweise -  problemlos vorausberechnen, welchen Mist wir wann bauen werden. 
Dieser gottgleichen digitalen Entität verdanken die wenigen Bewohner von Eden, einem perfekten Refugium an der Westküste der USA, ein glückliches und erfülltes Leben im Einklang mit der Natur. Der Mensch bedroht nicht länger seine Umwelt, die Zivilisation hat einen Evolutionssprung zur wahren künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Hochkultur durchlaufen. Niemand muss mehr arbeiten, jeder kann die eigene Kreativität voll ausleben. Klingt zu schön, um keinen Haken zu haben, oder?
Na ja, eine Kleinigkeit wäre da schon: Eden, das gelobte Land der NOW-Menschheit ist ein Utopia mit Leichen im Keller - etwa 8 Milliarden.
Stephan R. Meier hat einen fabelhaften Roman abgeliefert. Angesiedelt  in einem wohl durchdachten und  verstörend verlockenden Nahzukunftsszenario, in dem wir wohl alle gern ein Eigenheim erwerben würden, wenn wir ehrlich sind.  
Ich befürchte, skrupellose Politiker und Zukunftsvisionäre, die den radikalen Lösungsansatz von NOW für unsere gesellschaftlichen Probleme für den einzig gangbaren Weg halten, muss man sich nicht erst ausdenken. Sie besetzen momentan sämtliche Machtpositionen auf unseren Planeten. 
Meier erwähnt übrigens, dass an Stelle der in seinem Roman amtierenden amerikanischen Präsidentin beinahe ein pöbelnder Vollidiot gewählt worden wäre. Wir stellen fest: Nicht einmal ein begabter Science Fiction Autor will sich an eine so apokalyptische Idee wagen... 
"Now" nimmt sich übrigens die Freiheit, zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her zu springen. Die Geschichte ist also genau so nichtlinear erzählt, wie die KI NOW denkt. Mir hat das ziemlich gut gefallen, den einen oder anderen Leser könnte es natürlich verwirren.
Ach ja: Obwohl lupenreine Science Fiction traut sich Penguin nicht, das Genre auf dem Umschlag zu erwähnen. Wieso eigentlich?

Freitag, 18. August 2017

Mia die Bestraferin...

Mia unter dem Hochbeet mit dem Wetter hadernd.

Die Bestraferin ist not amused!

Die Katze hat gewisse Eigenheiten, die mir sympathisch sind. Grundsätzlich hat sie nur zwei Wünsche. Entweder wünscht sie nach draussen gelassen zu werden, oder sie wünscht Futtenachschub beziehungsweise Alternativangebote, falls ich mal wieder den Fehler gemacht habe, ihr irgend einen eingedosten Provinzfraß vorzusetzen.
Mia artikuliert ihre Wünsche zunächst ganz sanft durch intensives Schmusen, das allerdings nur für maximal ein oder zwei Minuten. Sollte ich in diesem Zeitraum nicht reagieren,  sprechen die Waffen. 
Sie wird sich dann optional in meinen Armen oder Beinen festkrallen und gleichzeitig zubeißen. Gerade eben so wohldosiert, dass es nicht blutet.
Deswegen nenne ich sie auch Mia, die Bestraferin. 
An einem Morgen wie diesem ist der  Futternapf selbstverständlich befüllt und die Haustür ebenso selbstverständlich weit geöffnet. 
Aber es regnet. 
Obwohl sie aus ihrer Perspektive in der Hierarchie eindeutig über mir steht, scheint mich Mia die Bestraferin dennoch für einen Gott zu halten und verhängt Sanktionen, weil ihr meine Feinjustierung der Wetterlage mißfällt. Wenn ich Pech habe, bestraft sie mich solange weiter, bis es aufhört zu regnen, wenn ich Glück habe, macht sich resigniert auf den Weg zu einem Tauchgang im Garten. So wie heute morgen. 
Ich finde, sie sollte in die Politik gehen. Wir brauchen da dringend Leute mit schnell reißendem Geduldsfaden. Nein, nicht Donald Trump, der ist auf der falschen Seite. Aber wenn ich mir vorstelle, wie Mia mit den ihr zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln - Krallen, Zähne und glühende Augen - mal so richtig Schwung in die Bude bringt, wärmt mir das das Herz. 
Okay, ich gehe heute wieder das teure Futter kaufen.


Dienstag, 15. August 2017

Die Nudellieferung ist da...

Ich war früher begeisterter Nudelkonsument. Mittlerweile hat sich das etwas verändert. Aber meine Frau kann sich täglich dafür begeistern. Deswegen bestellt sie sie auch gleich säckeweise. Reis auch.


Gelesen: "Auslöschung" von Jeff VanderMeer...




Mit „Auslöschung“ beweist Jeff VanderMeer mit bildreicher Sprachgewalt, dass  längst keine klar definierte Grenze mehr zwischen – so genannter – Hochliteratur und Science Fiction verläuft. Er beschreibt die mittlerweile zwölfte Expedition in die mysteriöse Area X. Einen Bereich an der amerikanischen Küste, in dem sich vor Jahren aus heiterem Himmel fremdartige Vegetation ausgebreitet hat. Alles an diesem Gebiet ist rätselhaft. Seine Entstehung, seine Eigenheiten, ja es weiß so gut wie niemand, wie das Überschreiten der Grenze überhaupt funktioniert, denn Expeditionsteilnehmer betreten sie nur unter Hypnose.
Jaff VanderMeers Roman ist düster, trist, sprachlich brillant und so Lovecrafttesk, dass man meinen könnte, ein Replikant des Altmeisters selbst habe VanderMeer direkt aus der Area X aufgesucht und ihm Wort für Wort zugeflüstert. Selbst wenn ich das wollte, wäre es mir unmöglich, zu spoilern, denn „Auslöschung“ lässt uns ausschließlich mit offenen Fragen zurück. Das aber ohne dabei eine unvollendete Geschichte zu sein. Die beiden Nachfolgeromane „Autorität“ und „Akzeptanz“ vollenden die Trilogie, wenn auch aus anderer Perspektive.
Großartiges Buch, obwohl über weite Strecken hinweg beunruhigend surreal äußerst spannend.
Ich empfehle nach der Lektüre einen nächtlichen Spaziergang durch den Wald.

Montag, 14. August 2017

Sonntag, 13. August 2017

Gelesen: "Blue Screen" von Dan Wells...



Dan Wells hat  einen entzückenden Cyberpunk Thriller kreiert, den er auf 360 Seiten mit der Dynamik eines Ego Shooters voran treibt.  Diesmal allerdings mit toughen Gamer Girls statt männlichen Geeks in der Hauptrolle. Ja, auch Mädels könnte Blue Screen trotz Virtual Reality Szenario gefallen.
Es geht einmal mehr um den Cyberspace und eine digitale Droge mit unangenehmen Nebenwirkungen. Glücklicherweise erstickt die Story nicht in mittlerweile albacken wirkenden Genrezitaten. Wells hat ganz eigene Ideen für sein Los Angeles des Jahres 2050. Ach ja, ich brauche dringend Nulis. Jede Menge davon.
Obwohl das so nicht auf dem Klappentext steht, richtet sich „Blue Screen“ offensichtlich auch an  jugendliches Publikum. Es könnte ein guter Einstieg für den Lesenachwuchs sein, gerade weil die Actionpassagen für Cyberpunk-Verhältnisse relativ zahm ausfallen. Das schmälert den Unterhaltungswert aber nicht. Keine Panik, also.
Mit diesem Roman eröffnet Wells übrigens seine Mirador-Saga. Mir hat´s so gut gefallen, dass ich dran bleiben werde.
Klare Leseempfehlung für „Blue Screen“.

Ja, ich weiß, bei mir kommen meistens Empfehlungen. Liegt einfach daran, dass ich mittlerweile ziemlich gut einschätzen kann, was mir gefällt. Man will seine spärliche Freizeit ja nicht vergeuden.