Samstag, 3. November 2012

Wenn man mal wieder den Fehler macht, Freunden, Bekannten oder Kollegen von seinen Secondlife Aktivitäten zu erzählen oder "Ah jaaa..."

Dieser kleine Text unter dem Titel "Ah jaaa..." war Teil unserer Lesung beim Festival der Liebe 2012. Ich bin mir außerdem sicher, dass nicht nur SecondLifer diese Situation kennen, sondern auch viele Blogger ;-). Übrigens - man muss sowas ja heute dran schreiben - er ist durchaus satirisch gemeint.

Ahh jaaa...


Ich weiß gar nicht wieso, aber es passiert mir immer mal wieder. Ihr kennt das.
Wenn man Leuten von seinen SecondLife Aktivitäten erzählt.
Fehler, großer Fehler.
Ihr kennt doch diesen schrägen Blick, wenn man über das eigene Zweite Leben berichtet. Der ist so wie…,tja, man kann das schlecht beschreiben. Etwa so wie: Also hoffentlich begegnen meine Kinder dem nie auf dem Nach-Hause-Weg.
Das Problem ist, ich toppe das dann noch. Schließlich gehöre ich ja zu diesen Verrückten, die meinen, sie könnten SL als Kulturplattform nutzbar machen.
Und trotzdem passiert es mir wieder und ich lasse mich hinreißen. Erzähle einem Kollegen, was ich am Wochenende gemacht habe.
„Na, was hast Du denn am Samstag unternommen?“
„Na ja, wir haben so ein Event gemacht, mit Lesungen und Konzerten und Ausstellungen und da war ein berühmter Performance Künstler aus Australien und eine  Sängerin, die live aus London aus ihrer Küche gespielt hat und ein sehr bekannter Science Fiction Autor, der hat live aus Berlin gelesen.  Den kennst Du, der war neulich erst im Radio.“
Die Reaktion, die dann erfolgt, ist stets dieselbe. Und nein, sie fällt so gar nicht aus, wie ich sie mir vorstelle.
Was ich meinerseits erwarte ist etwas wie „Oh, das ist  ja faszinierend, wie läuft denn so was ab, wie organisiert man so was, wie stellst Du denn da Kontakte her, und das muss doch auch zeitaufwändig sein, und wie lange dauert so was? Kann ich da auch mal hinkommen und wenn ja wie und wann wäre das?“
Das ist, was ich immer wieder, auch wider besseres Wissen glaube, nun hören zu müssen.
Was wirklich passiert ist das:
Ich sage: „Na ja, wir haben so ein Event gemacht, mit Lesungen und Konzerten und Ausstellungen und da war ein berühmter Performance Künstler aus Australien und eine berühmte Sängerin, die live aus London aus ihrer Küche gespielt hat und ein sehr bekannter Science Fiction Autor, der hat live aus Berlin gelesen.  Den kennst Du, der war neulich erst im Radio.“
Aber die Antwort meiner Kollegin oder meines Kollegen oder meines Nachbarn oder meiner Verwandten ist nicht die, die ich erwarte.
Sie lautet vielmehr. „Ahhh jaaa…“
„Ahh jaaa…“ Pünktchen Pünktchen Pünktchen. Glaubt mir, man hört diese Pünktchen hinter dem „Ahhh jaaa…“ Jedes einzelne Pünktchen. „Ahhhh jaaa…“
Schlimmer noch ist aber dieser Blick und er ist stets derselbe, egal, ob ich mit meiner Kollegin, meinem Kollegen, oder meinem Nachbarn, oder einem alten Freund gesprochen habe.
Dieser „Ahh jaaa“-Blick. 
Sie sehen mich an, als hätte ich ihnen gerade beiläufig erklärt, dass ich am Wochenende nur mit einem Regenmantel bekleidet im Stadtgarten auf alte Damen lauern würde, um ihnen mein Kulturevent zu zeigen.
„Ahhh jaaa….“
2 Minuten später dreht sich mein Gesprächspartner zu einem anderen Kollegen um, der ihm gerade erklärt: „Ich habe am Wochenende an einem Marathonlauf teilgenommen“
Die Reaktion meines Kollegen fällt jetzt ganz anders aus. Nein, nicht „Ahh jaaa…“ sondern vielmehr:
 „Marathonlauf? Jetzt echt Marathonlauf?  Wow, das ist ja Wahnsinn. Halbmarathon, oder Marathon, wievielten Platz haste denn gemacht? Wie lange haste denn da trainiert? Sag mal, wo war die Strecke? Mann, es hat  geregnet, das muss doch heavy gewesen sein. Und welche Schuhe trägst Du? Haste auch ne speziell angefertigte Sohle extra dafür? Boahh, jetzt sag doch noch mal, wie die Platzierung war. Wann ist denn eigentlich der nächste? Kann ich da auch mitmachen? Und meine Frau und meine Eltern? Boahh, Marathonlauf ich fasse es nicht!“
Ich denke mir: Das ist jetzt nicht wahr, oder?
Da ist einer nur zu blöd sich ein Taxi zu bestellen und rennt deswegen die 40 Kilometer bis in die übernächste Stadt neben den anderen Deppen her und das finden alle ganz famos?
Und dann spricht mich der Marathonläufer an  und fragt: „Was hast Du denn am Wochenende gemacht“.
Ich nicke und erkläre kleinlaut: „Ich habe ein Kulturevent in SecondLife veranstaltet?“ Ja, es ist wirklich mehr Frage als Antwort.
Warum halte ich auch nicht einfach meine Klappe? Vielleicht bin ich einfach nicht lernfähig.
Und sie nicken beide und gleichzeitig und wie im Chor bringen sie ihn hervor diesen mitleidig irritiert gelangweilten Laut „Ahh jaaa...“
Aber, und das ist erfreulich,  man kann daraus lernen. Ja, man  kann auch etwas zurückgeben.
Ich konnte das, als meinem Kollegen Mr. Marathonmann ein kleines Malheur passierte. Er im Stadtgarten stolperte, und sich dummerweise dabei den Unterschenkel brach und er, am Boden liegend, ausgerechnet mich anrief. 
„Hör mal hatte gerade deine Nummer auf dem Handy, ich bin schwer gestürzt.“
„Wo bist Du…“, will ich fragen und dann fällt er mir wieder ein dieser seltsame, bestürzte Gesichtsausdruck.
Und es kommt von ganz allein über meine Lippen.
 „Ahh jaaa…“
„Hör mal mein Bein ist gebrochen.“
„Ahhh jaaa…“
„Der Knochen schaut raus.“
„Ahhhjaaa…“
„Es sind fünf Grad unter Null!!!“
„Ahh jaaa…“
„Ich sterbe…“
„Du, das letzte hab ich jetzt gerade nicht verstanden, warte mal, da ist ein Anruf auf der anderen Leitung.“
Glücklicherweise weiß mein zweiter Gesprächspartner Interessanteres zu berichten.
„Was??? Du hast ein Chinarestaurant mit Büffet für 6 Euro gefunden? 6 Euro???  Da ist ja Wahnsinn, wo ist denn das. Kann ich meine Freundin mitbringen? Wann können wir denn dahin? Und was gibt es da zu essen? Warte, ich hol eben meine Jacke.“
Komisch, mir ist als hätte ich irgendwas vergessen.
Hm, keine Ahnung. Kann nicht wichtig gewesen sein.

Kommentare:

  1. Thorsten

    Schlimmer geht immer!
    Ich stelle mir gerade die Gesichter vor wenn ich jemandem nicht vom Kulturevent sondern von Abenteuern auf Gor erzähle.

    AHH JAAAA.....

    Wolfgang

    AntwortenLöschen
  2. Ja, ich sehe es geradezu vor mir ;-)...

    AntwortenLöschen
  3. Der Text ist respektlos, unreflektiert und pubertär.

    Unterlasse Hilfeleistung dann auch noch damit zu rechtfertigen ist der Gipfel der Ignoranz und Selbstverliebtheit.

    Kommunikation ist kein Geheimnis mit sieben Siegeln, dann klappt das auch Sl Erlebnisse interessant und spannend zu vermitteln.

    AntwortenLöschen
  4. Ahjaaaaaa!!! Hahaha, ich hab mich gekugelt vor Lachen^^ Allerdings, wenn ich meinen Leuten von sowas rzähle (oder es sogar zeige), sind die eher begeistert^^ Machst Du da was falsch? *ggg*

    AntwortenLöschen
  5. Bei mir reicht es schon zu erzählen man ist in SecondLife unterwegs. Facebook und so hat man nicht.... ah ja :)
    Man wirkt wie aus einer anderen Welt als wäre man in einer fremden Sekte oder in irgendwas wo man jenseits von Gut und Böse wäre.
    Dabei denken manche garnicht daran, dass die meisten doch völlig normale Menschen sind die einfach nur ihre Freizeit für einsetzen, wie es auch andere eben für Spiele wie World of Warcraft tun. Interessanterweise wird darüber auch gerne geredet, sogar von älteren.

    AntwortenLöschen
  6. Schade das ich mich nicht mit meinem SL-Nick hier einloggen kann ... aber dieses "ahh jaaa ..." kann ich noch toppen ^^
    Auf die Frage, wie ich denn meine Frau kennengelernt habe, antworte ich heute kurz und knapp mit "im Internet". Das wir romantisch geheiratet haben, mit vielen (internationalen) Gästen, an einem Traumstrand unter Palmen und unser DJ aus Weiß-Gott-Wo zugeschaltet war ... nein, das erzähle ich heute nicht mehr. Und das Fotoalbum mit den vielen blauen und roten Bällen überall gucken wir uns nun ganz alleine an, wenn SL mal wieder downtime ist.

    AntwortenLöschen
  7. Kann mich noch an die Anfangszeiten des Computer erinnern.
    Eine ähnliche Reaktion bei den meisten :D.
    Inzwischen sieht man es nicht mehr so eng.

    niclas d

    AntwortenLöschen