Freitag, 8. Februar 2013

Jules Verne wäre heute 185 Jahre alt geworden...

Deswegen hat mich SecondRadio kurzfristig gebeten, etwas über Jules Verne und Steampunk zu schreiben. Leider bin ich nun wirklich kein Experte auf diesem Gebiet, aber ich habe trotzdem ein paar Gedanken zum Thema notiert. Man möge mich bitte korrigieren, falls ich sachliche Fehler in meinen offen gestanden zwischen Tür an Angel verfassten Text eingbaut habe:


Heute wäre er beachtliche 185 Jahre alt geworden. Die Rede ist von Jules Verne, dem Visionär der Zukunftsliteratur, der Science Fiction schrieb rund ein Jahrhundert, bevor man dem Genre überhaupt einen Namen gegeben hatte.
 Jules Verne war so etwas wie ein früher Zukunftsforscher. Er sah Entwicklungen voraus, die wir heute für selbstverständlich halten: Flugverbindungen rund um den Globus, Unterseebote, Reisen in den Weltraum.
Verne war kein Prophet. Er schüttelte diese Ideen nicht aus dem Ärmel, oder erfand neue Maschinen, wie es ein Da Vinci getan hatte. Verne war vielmehr ein früher Geek. Jemand, der wusste, wie man sich wo Informationen verschafft. Zweifellos war er Stammgast in großen Bibliotheken. Er konsumierte Bücher und wissenschaftliche Magazine, die ihm Anregungen für seine Abenteuer- und Reiseromane lieferten. In den meisten Fällen war er auch selbst Zeitzeuge der Technologien, die er beschrieb: Eisenbahnen, Ballons, Schiffe. Verne selbst reiste auf der Great Eastern, dem von Isembard Kingdom Brunel konstruierten damals größten Dampfschiff der Welt.
Als er seinen wohl bekanntesten Roman „20000 Meilen unter dem Meer“ schrieb, hing er den aktuellen Entwicklungen in Wahrheit sogar ein wenig hinterher. Schon 10 Jahre zuvor hatte man im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ein kleines U-Boot, die Hunley für einen Angriff auf ein Segelschiff eingesetzt. Ereignisse von denen er wahrscheinlich wusste und die ihn inspiriert haben dürften.
 Genau wie es Science Fiction Autoren noch heute tun, extrapolierte Verne Erfindungen aus dem technischen Kenntnisstand seiner Ära.
 Heute wird er oft zum Urvater des Steampunks erklärt. Die Erwähnung in diesem Zusammenhang hat sein Lebenswerk ohne jeden Zweifel verdient. Aber Verne war selbst alles andere als ein Steampunk auch wenn die Plots des modernen Genres meist zu seinen Lebzeiten angesiedelt sind.
Steampunk lebt von unserem Bedürfnis nach einer nostalgischen Rückschau auf Zeiten, die es nie gegeben hat. Verne war kein Nostalgiker sondern ein Futurist. Die Vergangenheit scherte ihn wenig, ihm ging es um die Zukunft. Verne faszinierte die Frage nach dem Machbaren.
Er selbst wollte die Technik realisiert sehen, über die er schrieb. Er besaß in späteren Lebensjahren sogar selbst einige dampfbetriebene Yachten.
Ich behaupte, Verne hätte sich über die heutige Steampunk Bewegung mindestens wohlwollend amüsiert, sie eventuell sogar wegen ihren Weltoffenheit und Mutikulturalität hoch geschätzt. Leider starb er rund 90 Jahre bevor das Science Fiction- Sub-Genre seinen Namen erhielt. 
Wenn auch kein Steampunk, war Verne aber eines ganz bestimmt: Der Urvater der heutigen Science Fiction. Und die von ihm erträumten Bilderwelten sind heute noch lebendiger als je zuvor.

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