Montag, 15. April 2013

SecondLife und das reale Lebensende...

In den Jahren, die ich mich nun  mit Metaversen wie SecondLife befasse, bin ich leider mehrmals mit dem Tod der steuerenden Person hinter einem Avatar konfrontiert worden. Als wir an unseren ersten Heimcomputern von virtuellen Welten träumten hatten wir natürlich nicht daran gedacht, dass wir dann älter sein würden.
Über die Memorials und Gedenkkonzerte  für Sabrinaa Nightfire und Jeanette Janus habe ich hier auch berichtet. Egal wie strikt ein Avatar, sein reales Leben von seinem virtuellen Dasein auch zu trennen versucht, es gibt einen finalen Punkt, an dem das nicht mehr möglich ist. Entweder verschwindet er dann einfach und niemand erfährt, was passiert ist, oder die Realität greift über in den Cyberspace. 
Ich persönlich finde Trauer in SecondLife nicht kitschig, oder albern. Da haben Menschen Zeit vielleicht nicht unbedingt am selben Raum, aber doch auf der selben Ebene vebracht, sich kennen gelernt, sich gemocht, oder mehr. Das unterscheidet SecondLife von vielen anderen MMORPGs, wobei ich von solchen Fällen zum Beispiel auch bei World of Warcraft gehört habe.
Es mag etwas bizarr klingen, aber ich habe den Eindruck, gerade durch die freie Gestaltbarkeit von Metaversen, ist es wirklich möglich, hier zu trauern und das auf  - ich scheue mich etwas, das so zu sagen - kreative Weise.
Gestern haben wir eine Trauerfeier besucht, bei der es um den - auch realen - Lebensgefährten einer guten Freundin ging, der selbst als Avatar in SecondLife Zeit verbracht hat.

Wenn es um dieses Thema geht, dann denke ich auch oft darüber nach, was passieren wird, sobald die Avatare der ersten Generation, also Leute wie ich, im Alter dement werden. Dann werden wir über seltsame Gestalten oder Personen mit seltsamen Namen sprechen wie über gute alte Freunde.
 Ganz selbstverständlich. Und wahrscheinlich wird niemand nachvollziehen können, ob es sich um reale Bekannte, oder Avatare gehandelt hat.
 Schon jetzt, in seiner einfachen, ziemlich spielzeughaften Version definiert der Cyberspace unsere zwischenmenschlichen Beziehungen neu. Es mag sogar sein, dass uns Erfahrungen im Metaversum lehren, mehr Aufmerksamkeit auf die Persönlichkeit zu richten als auf Äußerlichkeiten. Denn in einer Welt, in der sowieso alle gleich schön sind, oder sich hinter skurrilen Figuren verbergen, wird es auch bei Menschen, die wir im Alltag übersehen wollen, interessanter, herauszufinden, wer dahinter steckt. 
Nur ein paar lose Gedanken zum Leben und Sterben im Cyberspace.

1 Kommentar:

  1. Hallo,

    genau das was Du gerade beschreibst, habe ich gestern auf der Fantasy Fair empfunden. Eine der Sim bei der Fantasy Fair ist auch "Relay for Life" gewidmet, das US-Pendant zur Deutschen Krebshilfe. Aus Neugier habe ich mir diese Sim auch angeschaut. Dabei habe ich auch den Bereich "Memorial" besucht, in dem RL- und SL-Bilder an Krebs verstorbener in einem Heckengarten aufgehängt sind. Die liebevolle Gestaltung und die kleinen Grüße der Angehörigen oder SL-Freunde haben mich tief bewegt. Ich musste mich einfach auf einer der Bänke hinsetzen und tief durchatmen. Hier spürte ich das, was Du in Deinem Artikel geschrieben hattest.

    Die Niki

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