Donnerstag, 16. Mai 2013

8000...




Es geschah ganz lautlos, wäre mir selbst beinahe nicht mal aufgefallen:
Das Blog Kueperpunk  hat die 8000 Posting Marke überschritten. Vorgestern, um genau zu sein.
Richtig. Wenn man sich das Archiv  anschaut, findet man eine deutlich geringere Zahl von Postings und zwar derzeit genau 547, dieser hier eingeschlossen. Das sind auch nur die Blogeinträge, die ich vorgenommen habe, seit ich im Oktober des letzen Jahres ein neues Blog eröffnet habe. Natürlich existieren die alten Archive auch noch, aber sie sind nur noch für meinen privaten Gebraucht gedacht. Dazu später noch etwas mehr.
Ich blogge mit großer Begeisterung seit dem 22.August 2004. Nach fast neun Jahren kann man wohl ausschließen, dass es „nur so eine Phase“ war. Von der obligatorischen „Ja, ich habe jetzt auch ein Blog“-Weblogleiche trennen mich 8000 Einträge. Es sind nur wenige Tage vergangen, in denen ich nichts geschrieben habe. Und fast alle wesentlichen persönlichen Ereignisse dieses letzen Jahrzehntes haben in  manchmal etwas kryptischer Form Eingang in mein Blog gefunden. Ich glaube sogar ausnahmslos alle. Dramen, Erfolge, Rückschläge, Freunde, die gegangen oder leider auch  gestorben sind.  All diese Episoden eingebettet in fast einem Jahrzehnt…ja, man schon sagen Kultur-Geschichte.
Kueperpunk ist meine von mir täglich erweiterte Autobiographie. Ein freiwillig online gestelltes komplettes psychologisches Profil aus dem man auch ohne Studium exakte Rückschlüsse auf meine Persönlichkeit ziehen kann. 
Er steht ungern früh auf, er hasst banale Tätigkeiten, er liebst finstere Musik, mag Bücher, hört sich gern reden, hat Humor, ist ein eitler Hahn, ein medialer Aufmerksamkeitstäter,  er hat diese schräge Vorliebe für virtuelle Welten, bastelt gern mit Lego, er isst gern und vor allem zuviel, er hasst Sport und wettert mit missionarischem Eifer gegen jede Betätigung in dieser Richtung…
Das ist okay, das sind alles keine Geheimnisse, sondern Charakterzüge und Marotten, die ich gern zur Schau stelle.
Selbstverständlich stellt man sich als Blogger immer mal wieder die berüchtigte Sinnfrage. Aus irgendeinem Grunde wollen die Zugriffszahlen nicht in die Hundertausende gehen und auch im Fernsehen höre ich nie den Satz „Allerdings sagt Kueperpunk…“, obwohl das eigentlich täglich passieren müsste.
Nein, Kueperpunk ist kein A-Blog. Aber dafür gibt es gute Gründe.
Wer in die oberste Liga will, der sollte möglichst nicht versäumen, ständig in diversen A-Blogs zu kommentieren. Damit habe ich  ein Problem. Gut, von Zeit zu Zeit, ertappe ich mich dabei, dann doch einen Kommentar bei einem prominenteren Kollegen zu hinterlassen, aber es geschieht selten, denn:
Ich glaube A-Blog-Themen sind deswegen A-Blog Themen, weil sie mir am A-rsch vorbei gehen. Dieses seitenlange theoretische Geschwafel über Blogs und was sie leisten könnten war für mich schon immer ein wunderbares Schlafmittel.
Ich werde mich auch in Zukunft nicht dazu herablassen – ja, ich würde das für eine Bewegung nach unten halten, nicht nach oben -  die bekannten Größen mit Huldigungen in Kommentarform zu umschmeicheln Dazu sind sie mir einfach zu belanglos.
Wenn mal wieder eine  neue Meme-Sau durchs globale Dorf getrieben wird, renne ich noch lange nicht hinterher. Und ganz ehrlich: Wenn der Astronaut auf jedem Blog Major Tom singt, weil das gerade so nerdig ist, fängt er langsam an zu nerven. Spätestens wenn er dann sogar in der Aktuellen Stunde auftaucht, ist das Thema fürs Bloggen gestorben. (Nichts gegen Chris Hadfield, ich mochte seine Videos)
Leider habe ich eine Vorliebe für unpopuläre Themen, die von Bloggern, Kulturpäpsten oder anderen Dummschwätzern gern als tot oder Schnee von gestern oder  bezeichnet und deswegen von jedem, der hip sein möchte, keines Blickes mehr gewürdigt werden.
Cyberpunk ist ein Tag, das bei mir sehr häufig auftaucht. „Aber Cyberpunk ist doch schon seit 30 Jahren tot!“  Sicher, sicher. Tut mir leid, dass ich seinen stinkenden Kadaver hier ständig aus dem Grab zerre, aber dafür, dass es schon vor Jahrzehnten beerdigt wurde, ist er faszinierend agil. Ähnlich übrigens wie Zombies, die bei mir stets gern gesehene Gäste sind.
Dann mein wohl größter „Fehler“:
Sich mit SecondLife zu befassen, ist natürlich der beste Weg, um aus Blogrolls oder Bookmarks gelöscht zu werden.
Kueperpunk sollte eigentlich auf gar keinen Fall nur ein SecondLife Blog sein, mehr ein Auch-SecondLife-Blog. Aber durch unsere Arbeit im Metaversum und all die großartigen Veranstaltungen, die wir auf die Beine stellen taucht das unbeliebte Zweite Leben hier nun mal fast täglich auf.
Da ich persönlich immer der Meinung war, dass Bloggen etwas für Individualisten mit ganz eigenen Geschmack ist, werde ich das Thema „Cyberspace“ hier  niemals zurückschrauben, nur weil es nicht im modischen Trend liegt. Trends setze ich lieber selber und wenn es im Zweifelsfall nur für mich allein ist.
Leider hat sich das Bloggen auch durch Faktoren von außen sehr verändert. Deutschland ist wahrscheinlich eines der gefährlichsten Blogländer der Welt. Ein kleines belangloses Posting kann hierzulande schnell existentiell gefährlich werden. Bilder posten, Videos einbetten, einen simplen Link veröffentlichen oder die Wahrheit schreiben und du darfst ein Jahresgehalt an eine Kanzlei überweisen. 
Für mich habe ich die Konsequenzen gezogen. Es gibt kein Fremdmaterial mehr. Jedes Bild habe ich selbst aufgenommen, oder es stammt von jemandem, den ich kenne oder der mir die Erlaubnis dazu gegeben hat.
So zu bloggen ist ein Verlust  für die Blogszene und lässt unser favorisiertes Medium erheblich an Attraktivität verlieren.  Hochachtung dafür, dass einige Kollegen nach wie vor darauf bestehen, gutes Bildmaterial oder Videos so zu zeigen, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Hierzulande werden traditionell leider vor allem Gegebenheiten als selbstverständlich hingenommen, die bei Betrachtung mit gesundem Menschenverstand als ungeheuerlich bezeichnet werden müssten.
Andererseits kann man die Situation auch als Herausforderung  annehmen.
Dann müssen wir Blogger eben selbst noch mehr Inhalte liefern, statt über andere zu berichten, die uns nachträglich dafür abstrafen, dass wir kostenlose Werbung für sie gemacht haben.
Ich habe hier in neun Jahren eigene Kurzgeschichten, eigene satirische Texte, eigene Bilder, sogar eigene Filme gepostet. Unbd mittlerweile zahllose Berichte über Events, die wir bei den Brennenden Buchstaben veranstaltet haben. Content ist da und an Ideen  mangelt es auch nicht, allenfalls manchmal an Zeit. 
Aber das war für mich noch nie eine Ausrede.
Nein, auch nach 8000 Postings und fast neun Jahren habe ich die Lust am Bloggen kein bisschen verloren. Es gibt noch soviel, über das zu berichten, zu lästern, zu nörgeln oder dagegen zu kämpfen lohnt.
Das Blog komplettiert, ergänzt und unterstützt alle anderen Projekten, mit denen ich mich befasse. Und manchmal ist es auch der Kern von allem.
Bloggen wird sich auch weiter verändern, die Möglichkeiten werden sich erweitern und neue ganz persönliche Projekte werden daraus entstehen und damit unterstützt werden. Und diese Zukunft beginnt genau jetzt.
Erst mal auf die nächsten 8000!

Kommentare:

  1. da besteigt dieser Antisportler nen 8000er... ,
    ... und "beschwert" sich, es sei einsam in solchen Höhen ... ;-)))

    Glückwunsch, so hoch kommt nicht jeder ...

    kjs

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  2. Erst einmal Herzlichen Glühwein zum 8000. Beitrag. Was machst Du Dir eigentlich immer so Gedanken darüber, wie andere Dich so als Blogger sehen? Mach weiter so wie bisher, Dein Blog ist für mich immer eine Anlaufstelle wenn es um Kultur in SL geht.

    Gruß
    Pom

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  3. 8K? Wow! Hut ab, Stecker rein, und so! ;)

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