Montag, 22. Juli 2013

Unser gestörtes Verhältnis zur Arbeit...

Also ich weiß nicht, wieso das so ist, aber es lässt sich nicht leugnen. Wir haben hier in Deutschland ein extrem gestörtes Verhältnis zur Arbeit. Man kann das in jedem Sommer beobachten. Kaum tritt der Deutsche den Urlaub an,  nutzt er die Gelegenheit um…nein, nicht sich zu entspannen, sondern die Arbeit aufzunehmen. Meistens am Garten. Es reicht völlig raus, die Tonbandaufzeichnung eines Rasenmähergeräusches in Endlosschleife durch ein Megaphon zu jagen, um ganze Armeen benachbarter Urlaubsopfer mit dem Grasschneider auf die Wiesen zu treiben.
Auf die Frage, warum das nötig ist, erhält man meistens folgende Antwort:
 „Das muss doch gemacht werden.“ Das muss doch gemacht werden, ist für mich die etwas eloquentere, aber genauso wenig aussagekräftige Version des bei Kindern beliebten „Weil halt!“
Es muss eben gemacht werden, weil irgend jemand – höchstwahrscheinlich hatte er einen Buckel, ziemlich viel Dreck unter den Fingernägeln und war stolz darauf, wenig Freude am Leben zu haben – das mal so festgelegt hat.
Denn es könnte ja mal jemand sagen „Der Garten ist ja noch nicht gemacht.“
Besonders wenig Mitleid habe ich, wenn mir schwitzende Nachbarn in epischer Breite darlegen, was sie heute bereits geleistet haben und dass sie vor lauter Arbeit noch gar nichts gegessen hätten. Dass irgendjemand kritisieren könnte „Das Essen ist ja noch gar nicht gemacht“ scheint seltsamerweise völlig in Ordnung zu sein.
Ich für meinen Teil halte das mit dem Garten so:
Wenn mich jemand nach dem katastrophalen Zustand des Gartens befragt, verweise ich zunächst auf den unerwarteten Tod meines 104jährigen Gärtners und dann darauf, dass es mir selbst leider unmöglich  ist, Gartenarbeit zu verrichten. Einerseits weil ich schlicht und ergreifend viel zu schön dazu bin und mein Gesicht durch Zweige zerkratzt werden könnte. Vor allem aber weil ich viel Wichtigeres zu tun habe: Das Blog muss ja gemacht werden.
Schließlich könnte jemand sagen, „das Blog ist noch gar nicht gemacht“. Außerdem muss ich in SecondLife die Raumstation machen. Denn es könnte ja jemand sagen, „die Raumstation ist noch nicht gemacht“. Von meinem sechsten Cappuccino an diesem Tag ganz zu schweigen. Es könnte ja jemand sagen…na, ich denke, es ist klar worauf ich hinaus will.
Zumindest im Urlaub sollten wir das Wort „Arbeit“ ähnlich verwenden, wie das Wort „Handgranate“.
Wenn ich jemand das Wort „Handgranate“ rufen höre, dann tue ich das, was die Jungs in den Kriegsfilmen auch immer getan haben: Ich gehe in Deckung.
Ich kann jedem nur empfehlen, zumindest in den Ferien auf den Warnruf „Arbeit“  exakt genau so zu reagieren.
Macht mal Urlaub, Leute!

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