Sonntag, 3. November 2013

Wenn das große deutsche Nachrichtenmagazin versucht, über die heimische Science Fiction Szene zu schreiben...

Im Spiegel ist gestern ein Artikel über etwas erschienen, das der Verfasser für die „deutsche Science Fiction Szene“ hält. Immerhin war er so reizend, den Genrefans des 21. Jahrhunderts geistige Gesundheit zu attestieren. Gemeint sind hier aber nur kostümierte Merchandising Konsumenten, die bereit sind ab hundert Euro aufwärts in Tickets zu investieren. Tickets für Cons auf denen sich ehemalige Franchise Schauspieler die Klinke in die Hand geben, um für einen horrenden Stundenlohn über klemmende Schiebetüren zu philosophieren oder zu beweisen, dass der goldene Bikini, den man mit 25 noch tragen konnte, jetzt besser in der Schublade bleibt. 
Wer unbedingt live dabei sein will, wie sich frustrierte Ex-Kleindarsteller ohne Latexstirnwulst am Büffet verschlucken, hat dort eine reelle Chance, sich das angebissene Brötchen direkt signieren zu lassen.
Eine kurze Recherche hätte dem Autor helfen können, sich einen Überblick über die kleineren, aber wie ich finde wichtigeren, weil wesentlich anspruchsvolleren Literaturcons zu verschaffen. Man hielt sie wahrscheinlich für belanglos, weil nicht genug Geld durch diese endemischen Mini-Events läuft.  Stattdessen lesen wir hier keine Bestandsaufnahme der heimischen Science Fiction Szene sondern ein weiteres von vielen 0815 Jungunternehmer-Porträts.
Trotzdem bin ich schon etwas dankbar für einen Artikel, der wieder einmal beweist, warum die deutschsprachige Medienlandschaft für Blogger viel zu uninteressant ist, um sie zu zitieren.
Vielen Dank also.
Was die kleinen Cons angeht, will ich mir einen Kommentar dazu auch nicht verkneifen.
Es wird wohl Zeit, in der Gegenwart anzukommen. Insbesondere, wenn man sich der Science Fiction Szene zugehörig fühlt.
Baut  Poetry Slams ein, holt Cosplayer, die Leute lieben viktorianische Picknicks, oder Steampunk-Technik-Messen, macht szenische Lesungen oder gleich Live Hörspiele und rümpft nicht ständig über neue Ideen wie online-Lesungen die Nase.
Man kriegt die Leute, aber dazu muss man sich ein bisschen was einfallen lassen.

Kommentare:

  1. Könnte ich jetzt tausend Sachen zu schreiben. Ich kenne mich in deinem Metier sicher nicht aus, - kann aber schwer nachvollziehen, - was du meinst. Ich will es mal so zusammenfassen. Man hätte bloggen und Journalismus immer sauber trennen müssen. Jetzt bestimmen nun mal bloggende Journalisten oder journalistende blogger Jahrgang 87 das Geschehen. Das wie Piraten, die glauben sie hätten Ahnung vom Netz, indem sie noch die schlimmeren Marktschreier machen. Aber ich sehe keinen Grund, sich deshalb selber zu verkaufen. Diese Gegenwart, - wird an ihrer eigenen Inhaltslosigkeit ersticken. Eine Entscheidungsfrage, ob man etwas Echtes durch dürre Zeiten weitertragen will, - oder das Spiel mit macht.

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  2. In diesem Posting geht es nicht um den scheinbaren Konkurrenzkampf zwischen Blogs und klassischen Medien, es geht um einen belanglosen Artikel.
    Wenn die großen Online-Schlachtschiffe sich für Themen etwas abseits des Mainstreams zu interessieren beginnen, sind die von Bloggern schon einen Monat lang diskutiert worden. Das oder man recherchiert völlig am Thema vorbei.

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    1. Um Konkurrenzkampf, ist es nie gegangen. Denn allzu viele blogger, haben nun mal einfach den klassischen Journalisten im neuen Ambiente gemacht. Und die Kids (und dazu zähle ich den Autor des Artikels der dich berührt) nun mal, machen dann Zeitgeist, - ohne das Vorher zu kennen. Ich wollte nur sagen, dass es mehr werden werden, - der belanglosen Artikel, die sich dann per Schlachtschiff, zwar sicher nicht den Ozean erobern, aber die Meinung darüber bilden. Und ich teile dein Unbehagen.

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  3. Cosplayerinnen! Ja! Mehr Cosplayerinnen!!!

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  4. Es kommt auf diei Cosplayerinnen an. Ich meine, ich habe da schon Lara Crofts gesehen, die irgendwie eher wie Sean Connery in Badehose....aber lassen wir das.

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