Montag, 21. April 2014

Interviewcountdown zum BB E-Book Event 2014 - Heute: Guido Seifert...



Auch heute hat Markus ein neues Interview gepostet. Diesmal mit dem Autor Guido Seifert, der bereits mehrmals Stories für das Nova Magazin abgeliefert hat. 



Ich zitiere:

- Was ist das BB E-Book Event (für dich)? Warum organisiert ihr das / warum nimmst du teil?
Mit der Organisation habe ich nun gar nichts zu tun – Thorsten Küper aka Kueperpunk Kohonen war so freundlich, mich als virtuellen Rhapsoden einzuladen. Ich befinde mich ein wenig in der Verlegenheit, gar nicht so recht etwas zum BB E-Book Event sagen zu können, denn ich bin schlicht ein Neuling im Second Life. Die Idee einer virtuellen Lesung finde ich aber reizvoll – lustigerweise habe ich als Science-Fiction-Autor recht häufig mit virtuellen Welten zu tun, während ich dagegen kaum Erfahrung mit *tatsächlich* existierenden virtuellen Welten habe. Mit meiner Lesung werde ich mein Versäumnis vielleicht ein wenig korrigieren können.
- Wie siehst du das Medium E-Book im Vergleich zum klassischen Papierbuch? Persönlich, philosophisch aber auch kommerziell.
Eine philosophische Position zum Medium E-Book habe ich nicht – und frage mich gerade, wie denn eine solche aussehen könnte . Eine kommerzielle Beurteilung traue ich mir nicht zu, da ich weder aktuelle  Wirtschaftsdaten noch Entwicklungslinien kenne. Persönlich aber schätze ich das E-Book immer mehr – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Da ist einmal das E-Book als Arbeitsmedium des Autors. Ich muss gestehen, dass ich ein beinahe schon besessener Material-Sammler bin – wissend, dass ich immer mehr Material herbeischaufeln werde, als ich nutzen könnte . Ich arbeite mit einer Anzahl von Datenbanken, eigentlich lokalen Wikis (der Software WikidPad, um noch genauer zu sein), und diese wollen gefüllt werden. In meiner Science&Fiction-Wiki beispielsweise sind zu den verschiedensten Themen und Gegenständen ganze Passagen aus den Romanen etlicher Science-Fiction-Autoren anzutreffen (dies weniger, um die geschätzten Herren und Damen zu beklauen, sondern eher, um mir Inspiration zu verschaffen und mir bewusst zu halten, wie’s die »Anderen« denn gemacht haben). Um diese Texte nun in den Computer zu bekommen, wäre der »klassische« Weg via Scanner und OCR zu aufwendig und nur in wenigen Fällen zu rechtfertigen – würde ich ausschließlich auf diese Methode angewiesen sein, bliebe es wohl bei Verweisen auf Buch und Seite, wobei ich den daraus sich ergebenden anderweitigen Nutzen, nämlich das Autoren-Gesäß des Öfteren aus dem Autoren-Sessel hieven zu müssen, gar nicht leugnen will. Das E-Book nun gestattet mir, die begehrten Passagen in Sekundenschnelle zu markieren und in eine Textdatei zu überführen, die flott auf dem PC geöffnet ist und datenbanktechnisch weiterverarbeitet werden kann. Wie gesagt – am Ende mehr Material, als zu bewältigen ist, aber die Augen des Datensammlers leuchten, was nicht das kleinste Glück ist.
Einen weiteren großen Vorteil bieten Ebook-Reader bei der Lektüre fremdsprachlicher Texte. Die ladbaren Wörterbücher sind nur einen Fingertipp entfernt, und wenn man die gewählte Fremdsprache nicht geradezu perfekt beherrscht, wird man auf diese komfortable und das flüssige Lesen kaum hemmende Methode kaum mehr verzichten wollen. In meinem Fall sind es in der Hauptsache englischsprachige Texte, die ich mir in dieser Weise recht bequem erschließe, mit der hübschen Nebenwirkung, dass die passive Sprachkompetenz peu à peu wächst. Die zum Teil ziemlich gräußlichen Übertragungen angloamerikanischer SF-Romane ins Deutsche lassen mich mehr und mehr auf die originalsprachlichen Texte zurückgreifen.
Was ich schließlich noch an Ebooks schätze, ist die frei wählbare Schriftgröße, welche die Reader bieten. Mir sind die Schrifttypen in Print-Büchern oftmals zu klein. Diese freie Formatierbarkeit hat allerdings auch einen Nachteil (der in Zukunft vielleicht behoben werden wird): Der Satzspiegel sieht oftmals arg zerhackt aus, da die Software -zumindest bei meinem Reader – die Worttrennung nicht beherrscht und aus diesem Grunde ab und an den Blocksatz aufgibt, wohl, um das Schriftbild nicht *noch* unansehnlicher zu machen.
Nun liebe ich durchaus auch schön gemachte Print-Bücher, mit festem Einband und – wichig! – Fadenheftung. Stelle ich mir aber einen sowohl großen als auch leichten Tablet-Reader mit gestochen scharfem, augenfreundlichen Farbdisplay vor, der mir die Initialen einer Luther-Bibel bunt ins Auge spielt oder die Seiten eines Mehrspaltenromans von Arno Schmidt perfekt reproduziert, könnte ich wohl auch zum Ketzer werden … zumal ich weder Staub noch Staubwischen mag (ich sage dies hinter vorgehaltener Hand, denn meine mehreren tausend Bücher in ihren Billy-Behausungen dürfen’s nicht hören).
- Wie siehst du das Medium SL im Vergleich zur realen/normalen Welt? Was hältst du von den Kulissen in SL bei deiner Lesung?
Wie gesagt – ich bin ein Frischling im SL, und die meine Lesung ausstaffierenden Kulissen kenne ich noch gar nicht. Augenblicklich sage ich mir eher Dinge wie: Vergiss nicht rauszukriegen, wie man einen Avatar sich setzen lässt – ich will nicht die ganze Zeit stehen!
- Was liest du auf den Ebook-Event? Bist du vor der Lesung aufgeregt, hast du gar Lampenfieber?
Augenblicklich bin ich völlig gelassen. Wenn’s dann aber so weit ist, werde ich sicherlich Lampenfieber bekommen. Ich habe in meinem Leben erst zwei Lesungen abgehalten, eine im halböffentlichen und eine im privaten Rahmen. Ich bin also alles andere als ein Routinier in diesen Dingen, und ein wenig Herzklopfen wird mir wohl nicht erspart bleiben.
Lesen werde ich meine nicht ganz so kurze Kurzgeschichte »Die silberne Dose No 2«, die in der aktuellen Ausgabe des Science-Fiction-Magazins NOVA (Nr. 22) erschienen ist. Eine recht eigenwillige Form des Second Life wird hierin übrigens eine nicht kleine Rolle spielen.

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