Mittwoch, 23. April 2014

Interviewcountdown zum BB E-Book Event 2014 - Heute: Horst-Dieter Radke...

Mir scheint, Markus war im Gespräch mit dem Krimiautor etwas mulmig. Eventuell hat er befürchtet, Horst-Dieter würde seine Inspiration aus realen Morden beziehen? Markus hat die Unterhaltung offensichtlich überlebt und er hat das Interview heute auf seinem Blog veröffentlicht. 



Ich zitiere:

H: Was ist das BB E-Book Event (für dich)? Warum organisiert ihr das / warum nimmst du teil?
HDR: Ich nehme teil, weil ich gefragt wurde und weil ich spontan, die Idee so etwas zu veranstalten, klasse finde. Ich werde auch die anderen Beiträge anhören, soweit mir das zeitlich möglich ist.
H: Wie siehst du das Medium Ebook im Vergleich zum klassischen Papierbuch? Persönlich, Philosophisch aber auch kommerziell.
HDR: Ich sehe das Medium E-Book als Erweiterung und Ergänzung des Lesens zum klassischen Papierbuch. Das möglicherweise das E-Book das Papierbuch irgendwann einmal ablösen könnte interessiert mich nicht. Euphoriker, die laut tönen, dass eine neue Zeit angebrochen ist und jeder mit Papierbuch zum alten Eisen gehört, ignoriere ich inzwischen. Dazu steckt das E-Book einfach noch in den Kinderschuhen und hat noch einen weiten Weg vor sich. Aber ich nutze das E-Book schon lange, habe selbst bereits ab 2006 an der Realisierung eines E-Book-Portals mitgearbeitet und werde die Entwicklung auch weiterhin positiv begleiten.
Das E-Book bietet darüber hinaus den Selfpublishern neue und gute Möglichkeiten. Selbst wenn man die ganzen Schattenseiten des Selfpublishing mit berücksichtigt, bleibt dies ein positives Argument. Sorgen macht mir allerdings, dass viele sich ausschließlich auf Amazon konzentrieren. Es ist richtig, dass dies momentan die einfachste Möglichkeit ist, sein E-Book zu publizieren und Leser zu finden, es ist aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Mit Monopolisten ist nicht gut Kirschen essen, wenn diese ihr Ziel – das Monopol – erst einmal erreicht haben. Noch ist es bei uns gottseidank nicht so weit und ich hoffe, dass bei vielen genug Einsicht da ist, auch andere Publikationswege für die E-Books zu nutzen und zu stärken.
H: Wie siehst du das Medium SL im Vergleich zur realen/normalen Welt? Was hältst du von den Kulissen in SL bei deiner Lesung?
HDR: Ich sehe SL nicht als eine “andere Welt” sondern als Medium, das ich ausschließlich von der realen Welt aus benutzen kann. Aus dieser Sicht ist es aber interessant. Die Möglichkeit der Kulissengestaltung folgt anderen Gesetzen und hat andere Grenzen als beispielsweise die Kulisse bei einer realen Lesung. Meine erste Lesung im SL bin ich mit einer gehörigen Skepsis angegangen. Ich fand das Erlebnis und das Ergebnis aber ausgesprochen gut und freue mich auf weitere Gelegenheiten.
H: Was liest du auf den Ebook-Event? Bist du vor der Lesung aufgeregt, hast du gar Lampenfieber?
HDR: Ich werde aus meinem Krimi “Normale Verhältnisse”, den es ausschließlich als E-Book gibt (bei dotbooks, München), lesen. Außerdem lese ich eine abgeschlossene Kurzgeschichte aus der Reihe Puff & Poggel. Dabei handelt es sich um Krimis, die in den 50er Jahren im Ruhrgebiet spielen und die ich zusammen mit meiner Kollegin Monika Detering schreibe. Die Bücher und E-Books erscheinen im Sutton-Verlag. Neben den Romanen schreiben wir auch Kurzgeschichten um den Kommissar Alfred Poggel und seine Zimmervermieterin Anna Puff. Diese meist im Alleingang (also für jede Kurzgeschichte ist ein Autor verantwortlich). Eine erste Sammlung dieser Kurzgeschichten erschien ebenfalls bei Sutton, allerdings ausschließlich als E-Book. Daraus lese ich eine. Eine zweite Puff+Poggel-Kurzgeschichtensammlung wird demnächst erscheinen. Damit versuchen wir uns dann voraussichtlich aber als Selfpublisher.
Ich habe inzwischen schon eine ganze Reihe Lesungen in der realen Welt hinter mir (und auch noch vor mir). Selbstverständlich gehört die Aufregung dazu und auch die spontane innere Frage kurz vorher: “Warum hast du Idiot dich bloß auf so etwas eingelassen?”. Lampenfieber – na klar. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass dies im Rahmen bleibt, wenn man sich gut vorbereitet. Und wenn dann die Lesung begonnen hat, sind Aufregung und Lampenfieber schlagartig weg. Dafür folgt nach Abschluss der Lesung schlagartig das Gefühl: “Mist, das hast du jetzt total verhauen.”
H: Eine Frage hätte ich noch zu den 50er Jahre Krimis. Recherchierst du/ihr da viel? Und wenn ja wie?
HDR: Ja, zu den 50er Jahre Krimis recherchieren wir viel. Aus der eigenen Erinnerung habe ich nur ein schwaches Bild der 50er (ich bin Jahrgang 1953) aber es ist doch eines da. Monika ist ein bisschen älter und hat es sogar deutlicher.
Um aber zeitgerechte Beschreibungen zu bekommen, müssen wir recherchieren. Wir beschaffen uns Einblick in alte Zeitungen, besorgen uns aus Archiven alte Bilder und versuchen, so weit als möglich noch Zeitzeugen zu befragen. Schwierig sind manchmal die realen Verhältnisse zu ermitteln. Als wir die Straße für das Polizeirevier in Mülheim suchten, meldete uns die (heute) zuständige Pressestelle der Polizei in Essen, das könne man nicht mehr feststellen. Ich habe dann den Kollegen Ulrich Hefner, der bei der Polizei in Tauberbischofsheim arbeitet um Hilfe gebeten und der hat über den “kleinen Dienstweg” Kollegen in NRW gefragt und wenige Tage später hatten wir die Adresse und sogar Fotos. Zur näheren Bestimmung des Tatorts für den zweiten Band (Endstation Heissen) hat uns der Herr Schimanski vom Katasteramt in Mülheim geholfen.
Trotz aller Recherche muss man aber davon ausgehen, das noch Fehler im Detail vorkommen können. Wir finden das aber in Ordnung, weil wir ja Belletristik schreiben und keine Sachbücher. Unser Ziel ist es, die Entwicklung und die Veränderungen in der Bundesrepublik von der direkten Nachkriegszeit bis zum Ende der 60er Jahre zu zeigen. Das ist uns sogar wichtiger als die Kriminalfälle, wobei wir die allerdings nicht vernachlässigen. Für den ersten Mord haben wir einen realen Mord ausgesucht, der allerdings etwas später und mit einem anderen Täter stattfand.

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