Freitag, 18. Juli 2014

Endlich gelesen: „Du bist tot“ von Charles Stross...



Noch ein Roman, der schon lange auf meiner To-Do-Liste stand. Ein Krimi, in dem es um einen Bankraub in einer virtuellen Welt geht, bei dem reale 26 Millionen Euro erbeutet werden, ist für mich Pflichtprogramm.
Außerdem hatte ich 2008 für Telepolis einen Artikel über einen Auftritt von Stross in SecondLife geschrieben. Vor ungefähr drei Jahren habe ich noch etwas naiv versucht, den Mann für eine unserer internationalen virtuellen Lesungen in SecondLife zu gewinnen. Zwei Mails gingen hin und her, dann hat er wohl das Interesse verloren. Worüber ich im nach hinein nicht unglücklich bin, denn unsere Reichweite beim englischsprachigen Publikum ist doch recht begrenzt
SecondLife findet in „Du bist tot“ sogar mehrmals Erwähnung. Dort allerdings als bereits antiquierte Spielwelt. Zumindest in diesem Punkt lag Stross mit seiner im Jahr 2007 verfassten Prognose etwas daneben. SL ist noch da.
Darauf hätte ich ihn 2013 auf dem Dortcon eigentlich mal ansprechen könnten. Da ist er mir  auf dem Flur begegnet. 
Aber zurück zum Buch selbst.
Stross kommt aus der IT-Branche und wenn er skizziert, wie sich Technologie weiter entwickelt, braucht er nicht in die Glaskugel zu schauen, er extrapoliert bestehende Konzepte einfach weiter. „Du bist tot“ ist nicht wirklich ein Science Fiction Roman, vielmehr ein in unmittelbarer Zukunft - etwa einen Internethype weiter  - angesiedelter Wirtschafts- und Politthriller. Ich musste gestern doch sehr schmunzeln. Als schottische Polizei und die Geheimdienste im Verlauf der Handlung befürchten müssen, dass sämtliche Netze infiltriert und überwacht werden, tippt man Protokolle nur noch auf alten Schreibmaschinen. Eine Idee, die in der letzten Woche auch der NSA-Untersuchungsausschuss geäußert hat.
War Neuromancer der Roman zur Virtual Reality, ist „Du bist tot“ genau das für die Augmented Reality Technologie. Cyberpunk ohne Kabel in der Stirn. Die Art Cyberpunk, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem technologischen Status Quo liefert. 
Da werden Internet-Saboteure auf der Ebene eines MMORPGS mit mittelalterlichen Waffen bekämpft und man startet Ablenkungsmanöver gegen die Polizei in Gestalt von Zombiewalk-Flashmobs. Obwohl komplex bleiben die politischen und ökonomischen  Verflechtungen noch einigermaßen überschaubar und die Story nimmt mehr und mehr an Fahrt auf.
Wie schon eingangs erwähnt: „Du bist tot“ ist kein Cyberpunk-Action- Roman über chirurgisch modifizierte Superheldenabziehbilder, sondern wir stecken mitten in der Schnittmenge von Science Fiction, Wirtschaftskrimi und Politthriller. Obwohl ich mit letzteren beiden Genres weniger anfangen kann, vermag  Stross mit seienm flappsigen Stil trotzdem zu überzeugen.
Exzellentes Buch.

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