Sonntag, 1. März 2015

Als mir dann doch der Kragen platzte...

DSFP 2015 - Nach der Nichtnominierung beleidigt sein kann jeder. Ich bin es schon vorher. 

Ich möchte vorweg schicken, dass ich jedem Autor dringend davon abrate, das zu tun, was ich heute tue. Nämlich auf direkten Konfrontationskurs mit einer Preisjury aus seinem Genre zu gehen, in meinem Fall der vermutlich einzigen Preisjury.
Es hat sich heute Abend zufälligerweise so ergeben, dass ich, nachdem ich meinen Unmut über Nicht-Nominierungen beim DSFP nie geäußert habe, schließlich doch eine direkte Anfrage an ein Jurymitglied des DSFP gestellt habe. Ich will kurz erläutern, worum es geht.
Bis ins Jahr 2007 sind Küper-Stories mit einer gewissen Regelmäßigkeit in der Nominierungsliste des DSFP erschienen. Zwei- oder dreimal sogar auf Platz 2.
2008 gab es keine Nominierung, was ich selbst nicht unbedingt als verwunderlich bezeichnen würde. Danach habe ich eine kleine Pause gemacht, so dass erst ab 2011 wieder Geschichten potentiell für eine Nominierung in Frage gekommen wären. Die einzige Story dieses Jahres war leider keine richtige Science Fiction Story („Debbuging You“), so dass mich die Nichtnominierung nicht besonders überrascht hat.
Auch die 2011 erschienene Story „Handlungsreisende“, vom damaligen Vorsitzenden des DSFP Martin Stricker in einer persönlichen Kritik wörtlich als „herausragend“ bezeichnet, fand 2012 seltsamerweise nicht ihren Weg auf die Nominierungsliste.
In den folgenden Jahren verhielt es sich leider ähnlich. „Grosvenors Räderwerk“ immerhin 3. Platz beim KLP 2014 fand im letzten Jahr - selbstverständlich - keine Gnade vor den Augen der DSFP Jury. Insgesamt fiel übrigens 2014 die doch sehr geringe Zahl von Nominierungen auf. Eine reizende Ohrfeige für die Autoren aller im Vorjahr erschienenen Kurzgeschichten, wie ich finde.
 Da war mehr drin. Unter anderem habe ich nicht das geringste Verständnis dafür, dass die Fieberglasträume komplett ignoriert wurden. Und ja,  mein Beitrag „Demeters Garten“ hätte wohl einen zweiten Blick verdient.
Kollegen wie Michael Iwoleit hatten ähnliches geäußert, ich habe allerdings trotzdem die Klappe gehalten. 
Heute Abend nun hat Jurymitglied Alfred Kruse seine persönliche, augenblickliche Auswahl – und nur die, es handelt sich nicht um die tatsächliche Nominierungsliste -   für dieses Jahr bekannt gegeben. Dabei sind auch drei Stories aus der Sammlung „Bullet“.
Zu meiner persönlichen Befriedigung habe ich festgestellt, dass mein Beitrag „Der Mechaniker“, der in vielen Rezensionen bislang als eine der besten (im Grunde in gewisser Weise sogar von Alfred selbst, dazu gleich noch mehr), wenn nicht sogar die beste Story bezeichnet wurde, nicht zu diesen drei Geschichten gehört.
Nicht dass es mich überrascht hätte.
Meine Kollegen Michael Iwoleit und Frank Haubold sind in den letzten Jahren mit gutem Beispiel voran gegangen und haben ihren Unmut über Nichtnominierungen geäußert. Ich halte nichts  davon, die Position der „beleidigten Leberwurst“ einzunehmen und habe seit 2012 dazu geschwiegen. Bis heute.
Diesmal ist mir dann doch endgültig der Kragen geplatzt. Ich habe Alfred Kruse also heute Abend auf seine persönliche Nominierungsliste angesprochen und noch einmal nachgehakt, wie es zu seiner Entscheidung kommen kann.
Er war so freundlich, mir darauf zu antworten, obwohl ich den Grund bereits kannte.  Wirklich befriedigend finde ich seine Kritik und die daraus resultierende Entscheidung nicht. "Der Mechaniker" wird von ihm nämlich als (wörtlich) „erste Sahne“ bezeichnet, aber er fordert ein, daraus einen Romananfang zu machen. Alfred, man muss nicht jede gute Story zum Roman aufpumpen.  „Der Mechaniker“ funktioniert ganz grandios bei Live Lesungen und er hat offensichtlich sämtlichen Rezensenten gefallen.
Ich sehe die Funktion eines Preises darin, gutes Handwerk zu würdigen. Ist ein Autor reproduzierbar in der Lage, gute Geschichten zu schreiben, kann es nicht sein, dass er in jedem Jahr „hinten rüber fällt“. Das ist nämlich extrem demotivierend. Wir haben hier leider nicht viel mehr Anerkennung als gelegentliche Nominierungen.
Gut, ich habe meine Meinung dazu hier offen gepostet. Ich mache das lang genug, um nicht jedem Honig um den Bart schmieren zu müssen. Tut es mir auf keinen Fall nach, liebe Autorenkollegen, man kann aus dieser Position heraus nicht mehr gewinnen. Weder eine Diskussion und erst recht keinen Preis. 
Aber auf diesem Wege, habe ich der DSFP Jury nun immerhin etwas verspätet einen Grund nachliefern können, bisher und weiterhin einen auffälligen Bogen um Küper Stories zu machen.
Es freut mich, wenn ich helfen konnte.

Kommentare:

  1. Ich kenne ja deine Geschichte "Der Mechaniker" Kueper und ich stimme der Meinung zu, dass es sich durchaus auch als Romananfang eignen könnte. Tatsächlich dachte ich damals, nach deiner Livelesung das könnte auch was großes werden. Die Ansätze sind ja vielversprechend. Aber diese Geschichte funktioniert ebenso als grandiose Kurgeschichte. Gut durchdacht mit einigen Anspielungen auf klassische Werke der Literatur.

    AntwortenLöschen
  2. Ich melde mich hier einmal als Vorsitzender des DSFP zu Wort. Der DSFP und der KLP, für den ich auch nominiere, funktionieren unterschiedlich. Es kommen verschiedene Romane und KGs auf die Nominierungsliste. Das hat verschiedene Gründe. Ich habe mir einmal meine Nominierungen zum DSFP der letzten Jahre angeschaut. Bisweilen haben es meine Favoriten nicht auf die Liste geschafft, da sie keine Mehrheit bekommen hatten. Die Mitglieder haben verschiedene Vorlieben. Beim einen muss der Stil stimmen, der andere legt Wert auf eine gute Idee. Bevorzugt ob seines „großen“ Namens wird keiner, ebenso wird keiner vernachlässigt. Wir machen es uns beim DSFP auch nicht einfach. Relevante Texte müssen von mindestens zwei Personen gelesen werden. Im internen Forum hat jeder das Recht, seinen Favoriten zu „bewerben“ und durch positive Kritik dafür Stimmen zu bekommen.

    AntwortenLöschen
  3. Der Mechaniker ist übrigens für den DSFP 2015 nominiert worden ;-)

    AntwortenLöschen
  4. Ja, damit muss ich jetzt wohl leben. Sagen wir mal so: Ich arbeite an meinem Ruf als Diva...

    AntwortenLöschen