Sonntag, 15. März 2015

Blogparade: Kooperation oder Konkurrenz -- was bringt Selfpublisher weiter? Oder: Können Selfpublisher Kooperation?

Anja Bagus und Thorsten Küper lesen gemeinsam in Secondlife aus Anja Bagus Roman "Waldesruh".


Vor einigen Tagen bin ich auf die von Georg Sandhoff in seinem Blog aufgeworfene Frage „Können Selfpublisher Kooperation?“ aufmerksam geworden.
Richtig, ich bin im eigentlichen Sinne kein Selfpublisher. Meine Texte erscheinen  in kleinen Verlagen oder Magazinen. Aber die meisten von ihnen würde ich zur Szene zählen. 
Ich definiere das so: Veröffentlicht man allein, ist man Selfpublisher, tut man es zu zweit oder lädt weitere Autoren dazu ein, wird man zum kleinen Verlag.
Ich fühle mich durch Georgs Frage weniger als Autor, sondern als Veranstalter virtueller Lesungen angesprochen. Und ich persönlich finde, Selfpublisher können Kooperation. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung gemacht.
Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Selbst Publizierer und die Mini-Verlage in einer Konkurrenzsituation befinden. Die kleine Szene ist auch längst nicht mehr die kleine Szene, als die sich selbst gern darstellt. Sie kokettiert  mit diesem Image: „Schau mal wie klein und süß ich bin und in meine großen, hübschen, glänzenden Augen. Kannst Du mir wirklich widerstehen?“
Selfpublishing ist ein Erfolgskonzept und es geht gerade steil aufwärts für die Do-It-Yourself-Literatur-Macher. Selbst wer sich  als Einzelkämpfer definiert, zieht die anderen mit.  Ein praktischer Nebeneffekt der aufs Sucherverhalten abgestimmten Werbung.
Wer auf einen Selfpublisher stößt, dem eröffnet sich gleich die ganze thematisch benachbarte Angebotspalette. Und bei den derzeitigen E-Book Preisen und strategisch gut verteilten Gratis-Tagen muss die Investition längst nicht so wohlüberlegt sein wie die 25 € für den Totholz-Türstopper aus der Buchhandlung, der irgendwann hinten links unter der Couch endet. Nein, ich nehme den und den und den und eventuell gefällt mir das auch alles.
Die Selfpublishing Szene zieht sich gegenseitig, vermutlich sogar dann, wenn einige es nicht mal wollen. Selbst der Ellebogen in den Rippen der Kollegen kann Werbung für eben diese sein.
Konkret zurück zu Georg Sandhoffs Frage, inwiefern Selfpublisher direkt kooperieren.
Wir, die Literaturgruppe Brennende Buchstaben – im Kern meine Frau Kirsten und ich -  veranstalten virtuelle Lesungen auf Basis von Plattformen wie SecondLife und OpenSim.
Dabei geben sich bei uns in den letzten Jahren die Selfpublisher die Klinke in die Hand.
Und sie besuchen nicht nur gegenseitig ihre Auftritte im virtuellen Raum.  Sie diskutieren dort auch. Beispielsweise im Rahmen einer von Wilfried Abels organisierten Schreibgruppe. Da werden Fragen zur Selbstveröffentlichung im E-Book Format geklärt und man tauscht Erfahrungen aus.
Autor und Übersetzer Michael Iwoleit bietet im Cyberspace ein Schreibseminar für Autorenkollegen an, die bereits erste Veröffentlichungen vorweisen können. Das wird gern angenommen und von Rivalität ist da wenig zu spüren.
Mich persönlich begeistert es, wenn im Rahmen virtueller Live Auftritte gleich mehrere Autoren, seien es Selfpublisher oder solche, die schon einen Verlag gefunden haben, gemeinsam ihre Stories – aus völlig unterschiedlichen Verlagen und oft auch Genres - auf die Bühne bringen.  Man macht für sich gegenseitig Werbung. „Wenn Du den Bösewicht in meiner Story liest, dann werde ich die Rolle des ermittelnden Polizisten bei Deiner nächsten Lesung übernehmen.“ So in etwa darf man sich das Konzept vorstellen und es funktioniert.  
Da erleben wir dann wie drei Autoren aus drei verschiedenen Genres und drei verschiedenen Verlagen (oder Selbstpublizierer), die gemeinsam szenisch eine Lesung auf die Bühne bringen. So geschehen beispielsweise bei einer gemeinsamen Lesung von Michael Iwoleit, seines Zeichens Science Fiction Autor, Frank Sorge, Autor und Kabarettist aus Berlin und meiner Person.
Oder bei unserer gemeinsamen Lesung einer Kurzgeschichte aus der Sammlung „Tiefraumphasen“ aus dem Begedia Verlag, in deren Verlauf die Autoren Michael Iwoleit, Bernhard Giersche, Frederic Brake, Bernar LeSton und Markus Gersting jeweils eine Hauptrolle übernommen haben.
Beim kommenden E-Book Event der Brennenden Buchstaben ab dem 11. April wird man einige Beispiele für diese Art der Zusammenarbeit live auf der Cyber-Bühne erleben können.
Fazit: Kooperation zwischen Selfpublishern ist meiner Erfahrung nach nicht nur möglich, sie ist auch notwendig und funktioniert. Es wäre ziemlich dämlich, darauf zu verzichten.

1 Kommentar:

  1. Hallo Thorsten,

    Ich finde die Idee mit den virtuellen Lesungen sehr faszinierend, obwohl ich zugeben muss, dass ich in Bezug auf Second Life völlig unbedarft bin.

    Auch hier zeigt sich, dass sich kooperative Strukturen ausbilden, sobald jemand da ist, der die grundlegende Infrastruktur zur Verfügung stellt und unterhält. Das ist anscheinend im virtuellen Raum nicht anders als in der materiellen Welt.

    Es ist spannend zu sehen, was es für Möglichkeiten gibt, sobald man über den Tellerrand schaut.

    Viele Grüße,

    Georg

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