Dienstag, 3. März 2015

Rechtsprechung für Abgeordnete noch mal in Zeitlupe...

Einige von uns hatten ja gewisse Schwierigkeiten die komplexen Entscheidungsprozesse im Verlauf des Gerichtsverfahrens gegen den ehemaligen Politiker Herr E nachzuvollziehen und gaffen deshalb immer noch mit offenem Mund auf die von ihnen präferierten Medien.
Ich will das noch mal kurz zusammenfassen:
Herrn E. wurde vorgeworfen, sich wirklich schlimme Bilder junger Menschen aus dem Internet herunter geladen zu haben. Er selbst hat das lange Zeit geleugnet. Kein Wunder denn, um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Das Herunterladen schlimmer Bilder dieser Art ist strafbar.
Letztendlich hat er es nun doch zugegeben, worauf hin der Richter tadelnd den Finger hebt  und...ja, genau, man hört richtig, das Verfahren einstellt. Sowas tut man ja nicht und Herr E. möge 5000 € an den Kinderschutzbund zahlen.
Ja zunächst konnte ich das auch nicht so ganz nachvollziehen, aber ich glaube ich habe jetzt das Prinzip der Abgeordneten-Rechtssprechung verstanden.
Wenn der, sagen wir mal Abgeordnete Herr  F. seine Großtante Erna umbringt, weil er mit seinem Abgeordnetengehalt unmöglich seinen Lebenstil finanzieren kann.  (Reisen in seine Lieblingsrotlichtviertel in Thailand werden ja auch immer teurer!), dann ist das Vefahren folgendermaßen:

"Abgeordneter Herr F., haben Sie ihre Großtante Erna umgebracht?"
"Nein, natürlich nicht."
"Abgeordneter Herr F., haben sie wirklich nicht ihre Großtante Erna umgebracht?"
"Wie ich bereits sagte, natürlich nicht. Ich habe zwar die Waffe besessen und meine Fingerabdrücke sind auch darauf und ihr Blut war in meiner Wohnung, aber ich bin es selbstverständlich nicht gewesen."
"Abgeordneter Herr F., wir fragen sie erneut im Verlauf dieses extrem teuren Ermittlungsverfahrens, das der Steuerzahler sicherlich gern finanziert, ob sie ihre Großtante Erna umgebracht haben."
"Na ja, also...."
"Abgeordneter Herr F., wollen Sie damit sagen, dass sie ihre Großtante Erna tatsächlich umgebracht haben?"
"Nun ja, aus einer ungünstigen Perspektive betrachtet  gewissermaßen schon!"
"Abgeordneter Herr F., sie wissen, dass es nicht in Ordnung ist, Großtanten umzubringen."
"Ja, schon und es tut mir ja auch leid."
"Gut Abgeordneter Herr F., sie haben die Tat somit gestanden, ich erhebe tadelnd meinen Zeigefinger, und stelle das Verfahren hiermit ein. Gegen eine Zahlung von 5000 € allerdings. Sagen wir mal an die Grauen Panther. Ja, an die Grauen Panther..."

Ich denke, jetzt haben wir es alle verstanden, oder? Danke.

Kommentare:

  1. Schade, ich habe hier gerne mitgelesen. Aus Interesse an Ihren Fantastik-Arbeiten, mit der Folge gelegentlichen Buchhandelseinsatzes.

    Aber dieses Posting ist nun einfach nur abgeschmackt. Nicht das erste seiner Art, aber mir langt es.

    Sie wissen also, was für schlimme Bilder der Abgeordnete E. auf seinem Rechner hatte? Da wissen Sie wohl mehr als der Rest der Menscheit, abzüglich Ex-MdB E., inklusive der Staatsanwaltschaft und des Gerichts.

    Der verwegene Gedanke, dass Schlimmebilder-Delikte ziemlich regulär eingestellt bzw. im anonymen Strafbefehlsverfahren aus der Öffentlichkeit geschafft werden, wenn ein Versicherungsvertreter E. oder ein mittelständischer Unternehmer E. beschuldigt wird, ist Ihnen offensichtlich fremd.

    Ist ja auch schöner, sich am Gedanken aufzuheizen, dahinter stünde ein Abgeordnetenstrafrecht, das die Herrschaften aus der Politik bevorzugt.

    Dass sich unter Fantastik-Autoren ein antiliberales Weltbild findet, das auch Duma-Abgeordnete oder US-Provinzpolitikspinner haben, die ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen, ist ja keine Neuigkeit. Früher haben sie die Inhalte dieses Weltbilds bloß ihren Biografen überlassen, jetzt muss es offenbar immer gleich raus an die Öffentlichkeit.

    Nee, Ihr Blog fliegt hiermit wieder aus dem RSS-Abo. Das hier gehört nicht zu den Dingen, die ich von Ihnen lesen mag.

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  2. Ich winke mit einer Träne im Auge :-)

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