Freitag, 15. Mai 2015

Rückblick auf die gestrige Steamtropolis und grundsätzliche Gedanken zu Lesungen...

Ich war gestern auf der Steamtropolis in der Matrix in Bochum. Nach dem Vaporium beim Dampffestival an der Zeche Hannover gleich das nächste Steampunk Highlight. Man kann es nicht anders sagen: Steampunk geht gerade steil im Ruhrpott. Angefangen mit dem Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle in Bochum.  Es macht ja auch Sinn, dass das einst hochindustrielle Ruhrgebiet jetzt zum Druckkessel fürs Subgenre wird. Gern weiter so in den nächsten Jahren.
Was nun die Steamtropolis angeht eines gleich vorweg: Großartige Veranstaltung für Steampunks mit entsprechend hoher Cosplayerdichte schon um 13 Uhr. Wirklich was fürs Auge. Da waren zahlreiche grandiose Kostüme zu bestaunen und natürlich gab es die entsprechende Hardware für Monsterjäger, viktorianische Expeditionsteams und Zeitreisende. Man sollte möglichst mit 1000 Euro Schein anreisen. Auch das neue Buch von Alex Jahnke und Clara Lina Wirz konnte man sich dort schon anschauen und ich fand es ganz grandios unseren häufigen Lesungsgast Marco Ansing persönlich zu treffen. Hat mich gefreut, Marco. Nächstes Mal schaffen wir es dann auch wirklich gemeinsam zu lesen.
Lesungen, ja. Die gab es auf der Steamtropolis auch. Eine davon durfte ich bestreiten. Gleich um 13.40 Uhr. An dieser Stelle möchte ich zunächst mal Katharina Bode für Organisation und Moderation danken. Hat sie prima gemacht. Danke, Katharina.
Meine kritische Anmerkung richtet sich auch nicht an sie, sondern die Herrschaften mit der Schlüsselgewalt.
Wahrscheinlich mache ich das schon zu lange und bin deswegen mittlerweile etwas eigen geworden. Die Situation ist eigentlich immer dieselbe bei nicht-Literatur-fokussierten Veranstaltungen:
 Lesungen werden nicht wirklich eingeplant. Lesungen werden untergebracht. Irgendwo. Mal auf dem Flur. Mal neben Verkaufständen oder in der Rumpelkammer, die man eigens dafür aufbrechen musste, weil der Schlüssel schon vor Jahren verloren gegangen ist. 
Da wo Vorträge nicht stören. Ich persönlich würde mir da ja eher den Passivgebrauch wünschen: Lesungen sollten dort untergebracht werden, wo sie nicht gestört WERDEN.
Im Fall der Steamtropolis waren die Lesungen ins Bistro gequetscht worden.
Überlegen wir mal:
Bistros und Cafés werden naturgemäß von Gästen frequentiert, die nicht unbedingt einem Vortrag lauschen, sondern einfach nur einen Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen wollen – und sich danach nicht wieder trauen aufzustehen, weil da ja noch gelesen wird und man dann nicht einfach gehen kann. Was übrigens sehr freundlich ist, und wofür ich mich an dieser Stelle auch noch mal bedanken möchte. Sehr nett übrigens auch die Leute hinter der Verkaufstheke, die es 20 Minuten lang nicht gewagt haben, ihre Kaffeemaschine zu benutzen, um den Autor – in dem Fall mich – nicht zu stören.
Aber genau das sind die üblichen Probleme, die man vermeiden könnte, indem man Lesungen einen richtigen Platz einräumt. Irgendeine Seitenbühne beispielsweise – ich hatte zwei Möglichkeiten gesehen – oder einen abgetrennten Raum. Und wenn niemand Autoren lesen hören möchte – womit man einfach mal rechnen muss - , dann kommt eben auch niemand in den Raum und das ist dann auch völlig okay.
Bei einer Lesung muss die Hintergrundatmosphäre stimmen. Bahnhofsfeeling sollte beim Zuhören nicht aufkommen. Gedämpftes Licht, Kerzen auf den Tischen und einen Kaffee oder Tee vor sich. Und schon wird ein immersives Erlebnis daraus.
Mir persönlich macht es einfach keinen Spaß, über Publikum hinweg zu lesen, das gar kein Publikum ist. Wobei ich hinzufügen möchte, dass mir nicht entgangen ist, dass sich weiter hinten im Raum durchaus einige Zuhörer nur aus diesem Grund versammelt hatten.
Es ist übrigens auch nicht nötig, für zusätzliche Ablenkung zu sorgen, indem man die – vom Autor gehasste – Rocky Horror Picture Show mit abgeschaltetem Ton rechts vom Vortragenden an die Wand projiziert. Es geht auch mal ohne Flimmern.
Wie gesagt, das ist kein Problem, das nur die Steamtropolis betrifft, sondern alle großen Veranstaltungen dieser Art. Schauen wir mal, wie es morgen auf der RPC in Köln aussieht. Aber ich kann es mir eigentlich schon jetzt denken.
Nicht dass wir uns missverstehen: Die Steamtropolis war klasse. Nur an der Sache mit den Lesungen sollte man noch mal schrauben.

Kommentare:

  1. Werter Herr Küper, erst einmal vielen Dank für Ihren positiven Rückblick auf die erste STEAMTROPOLIS in der Matrix Bochum. Wir waren bemüht, in einer sehr kurzen Zeitspanne ein vielfältiges Programm und Marktgeschehen rund um Steampunk zusammenzustellen. Das scheint uns offensichtlich gelungen zu sein, wie die vielen freundlichen Mitteilungen der letzten Tage bestätigen. Bin mir aber auch sicher, mit unter 1000 Euro konnte man sich dort das eine oder andere Kleinod besorgen ;)!
    Natürlich gab es bei einer solchen Premiere noch einiges an Sand im Getriebe. Wir freuen uns daher über konstruktive Kritik und werden diese bei der noch dieses Jahr geplanten Folgeveranstaltung umsetzen! Vieles ließ sich auch einfach nicht in der kurzen Zeit realisieren - für das nächste Mal haben wir nun aber mehr Zeit :) !!
    Bzgl. Ihrer Kritik an den Lesungen im Café möchte ich aber folgendes mitteilen: Ich habe ganz bewusst das gemütliche große Café für entspannte Lesungen gewählt. Ich weiß, Autoren leben in anderen Sphären ;), aber hier konnten die Gäste Ihren Worten bei Kaffee und Kuchen lauschen. Die Matrix muss auch ein paar Gastro-Einnahmen während so einer Veranstaltung tätigen und das klappte so auch wirklich hervorragend (die verschiedenen Kuchen waren aber auch sehr lecker!). Bitte bedenken Sie auch diesen Umstand! Leider gab es ein paar zeitliche Verzögerungen, da der junge Filmemacher Valentin Felder bei der Bahnanreise chaotische Umstände erlebte - wir wollten wenigstens eine Vortragsrunde rund um das ambitionierte Steampunk-Stoppmotionfilm-Projekt für die Gäste präsentieren. Daher gab es bei den vielen geplanten Lesungen ein paar Verschiebungen, diese wurden aber auch bekannt gegeben. Bei Ihnen war es durchwegs voll und die Gäste waren in erster Linie für Ihre Lesungen vor Ort! Das Café ist und bleibt (!) ideal für Lesungen, zusätzliche Programmelemente werde ich beim nächsten Mal aber versuchen, an anderer Stelle zu integrieren. Ich, begeisterte Leserin, freie Texterin und FUNKELGLANZ-Buchrezensentin, mache mir übrigens immer Gedanken über Lesungen und hoffe sehr, dass diese ankommen. Den Vorwurf, das nebenher laufen zu lassen, muss ich daher deutlich zurückweisen! Meine Events realisiere ich immer mit viel Herzblut, ich glaube, das ist auch allgemein bekannt.. ;)!
    Herzliche Grüße, Sibylle Nix

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  2. Danke für den Kommentar!
    Stimmt übrigens, man wurde auch deutlich unter 1000 € fündig. Aber wenn man so viel findet kommt man eben doch wieder bei der oben genannten Summe an. Und wenn dann noch meine Frau dabei gewesen wäre ;-)

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