Freitag, 17. Juli 2015

Schreiben im Netz und wie es sich verändert...

Ich denke gerade darüber nach, wie sich  das „Schreiben und Veröffentlichen“ von Texten, seien es nun persönliche Kommentare, Meinungsäußerungen, Kritiken, Artikel oder Geschichten innerhalb der letzten 20 Jahre für mich verändert hat.
Das erste für mich als Schreiber aktiv nutzbare Medium, mit dem ich jemanden erreichen konnte, waren Fanzines. In meinem Fall die des Thunderbolt Clubs, dem ich 1994 beitrat. Der hatte zu diesem Zeitpunkt übrigens schon 15 Jahre auf dem Buckel.
In der Präinternet-Ära –  Präinternet-Ära freilich nur für mich, denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Zugang zum Internet, erst recht nicht zuhause – schrieb man also seine Texte – ich damals auf einem Amiga -  druckte sie mit einem Matrixdrucker aus – der nur unwesentlich lauter als ein startender Airbus war – und freute sich dann auf eine Fanzine-Lieferung in einer stattlichen Auflage von 20 Heften. Gefühlt waren es natürlich 30000. Auf die Reaktion darauf  musste man natürlich wiederum drei Monate warten. Mindestens. Kann ich mir heute zwar nicht mehr vorstellen, hat aber Spaß gemacht.
(Wobei das Warten auf Rezis zu veröffentlichten Kurzgeschichten heute auch immer mal noch länger dauern kann. Das hat sich noch nicht verändert. Aber Bücher müssen ja auch erstmal gelesen werden.)
Erst 1999 hatte ich zuhause meinen ersten eigenen Internetzugang, damals noch über die Ruhr-Uni-Bochum. Damit begann für mich auch eine neue Lebensphase. Anders will ich das nicht formulieren. Durch das Web haben sich meine Lebensumstände verändert. (Sofort spürbar wird das beispielsweise beim Ausfall meines Internetzugangs. Da spielen sich dramatische Szenen ab. )
Im selben Jahr, also 1999  habe ich meine erste Internetseite online gestellt. Mit eigenen Kurzgeschichten und mit Buchkritiken und kleinen Experimenten. Im Jahr 2000 wurde daraus meine Website Sublevel12, die ich fortan mit großem Enthusiasmus weitergeführt habe. Allerdings waren statische Homepages nicht mal ansatzweise so interaktiv, wie man sich das wünschen würde. Gästebuch oder Email, darauf reduzierte sich das mögliche Feedback.
Das Blog Kueperpunk war ab 2004 als zusätzliche Funktion oder Unterpunkt der Website gedacht, hat aber innerhalb weniger Monate erheblich an Eigendynamik entwickelt. Angefixt war ich eigentlich sofort. Für zwei oder drei Jahre habe ich Nachrichten und Postings, die für mich besonders wichtig waren, auch immer noch unabhängig vom Blog in die Website eingepflegt. Obwohl das sehr umständlich war und der damit verbundene Leidensdruck schnell dazu führte, dass auch die Ära der klassischen HTML-Seite endete. 
Das Blog hat die Website verdrängt und ist zur Hauptbühne geworden.
Wichtige Multiplikatoren beim Bloggen sind für mich Twitter, Google+ und Facebook. Doch auch jetzt geht die Verschiebung weiter. Facebook ist längst  kein Multiplikator mehr, sondern die Hauptkommunikationspipeline.
Das liegt daran, dass fast alle, mit denen ich bei Veröffentlichungen, Lesungen und anderen Projekten zusammen arbeite, ihrerseits Facebook nutzen. Die Kommunikation ist hier so unmittelbar, wie sie es beim Bloggen hätte sein sollen. Damals gab es immer noch lästige Zwischenschritte wie etwa Kommentare schreiben – das war anscheinend schon vor 10 Jahren für die meisten zu anstrengend -, oder das Formulieren von Emails, oder eben gleich der Kontakt über soziale Netzwerke.
Wird interessant, zu beobachten, wie sich das in den nächsten Jahren weiter verlagert. Aufs Blog zu verzichten (wie es einige erfolgreiche Bloggerkollegen mittlerweile tun), kann ich mir dennoch nicht vorstellen. Mir würde die Übersichtlichkeit fehlen, die gestalterische Freiheit (wenn man will, dass es wie 2004 aussieht und zieht das durch, ist das auch gestalterische Freiheit) und noch dazu tendiert Facebook ja dazu, gern auch mal einen Account zu  löschen, falls den Damen und Herren dort in den Sinn kommt, dass der registrierte Name ein Erfundener sein könnte. Außerdem ist und bleibt ein Weblog für mich das, als das es ursprünglich erfunden wurde: Ein digitales Tagebuch. Eines, das mittlerweile grob geschätzt über 9000 Postings enthält.
Ich denke, die Mischung macht`s. Immerhin habe ich beim Bloggen beziehungsweise beim Schreiben in sozialen Netzwerken mein persönliches Kernthema gefunden. Literatur und ihre Schnittstellen mit der virtuellen Welt. Sozusagen mein persönliches Fachgebiet. Dazu noch ein wenig hiervon (Steampunk) und davon (Cyberpunk) und davon auch (Nerdkram), aber wie gesagt: Die Mischung macht`s.

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