Montag, 17. August 2015

Zur eigenen Nerdvergangenheit stehen...




Es steckte in einem Briefumschlag. Heute habe ich es endlich gefunden. Dieses Bild aus meiner Nerdvergangenheit. Und es weckt Erinnerungen an eine gute Zeit.  Eine wirklich gute Zeit, obwohl der Bursche auf dem Bild nicht so aussieht, als hätte er viel Spaß gehabt. 
Welches Jahr das genau war? Der Hardware und dem Regal nach etwa 1984, höchstens 1985. Da bin ich also etwa sechzehn. Wie heißen die Nerds in "Simpsons"? Superfreunde? Ich hätte einer davon gewesen sein können.
Es ist so, seien wir ehrlich: An eine Freundin war zu der Zeit nicht zu denken. Keine Chance. Wir wussten ja nicht mal, dass man so einen Typen Nerd nennt und dass so was 30 Jahre später irgendwie in Mode kommen würde. Man beachte allein die Brille. Die Brille, das sind die beiden Glasbausteine über dem gescheiterten Schnurrbartversuch, ja. (Dienstags lief da Magnum!)  Einige Jahre vorher konnte man die Bösewichter in „Drei Engel für Charlie“ an getönten Brillen in dieser Größe erkennen. Klodeckelformat. In „Miami Vice“ waren sie teilweise auch noch so dimensioniert. Apropos, „Miami Vice“ lief oft über diesen Bildschirm. Und „McGyver“ und das „A-Team“ und „Airwolf“ und „Knight Rider“. Aber nicht etwa im Fernsehprogramm, sondern ausgeliehen auf VHS Kassette.
Der kleine Fernseher - übrigens Schwarzweiß! -  oben ist für den Computer, der größere drunter wie erwähnt zum fernsehen und Video schauen. Rechts an den kleinen Fernseher gelehnt sehen wir einen sehr überschaubaren Stapel Platten. Eine davon ein „Tron“-Hörspiel mit integriertem Comic. Die meiste Musik hatte ich zu dieser Zeit auf Kassetten. „Frankie goes to Hollywood“, „Tangerine Dream“ und ach ja, zwei Platten von „Jean Michel Jarre“. Gelesen habe ich zu der Zeit tonnenweise Science Fiction, natürlich auch „Perry Rhodan“, „John Sinclair“ und alles mögliche andere. Lieblingsroman damals: „Erstkontakt“. Nein, nicht der von Carl Sagan. Der kam erst vier Jahre später. „Erstkontakt“ von Ben Bova.
Aber bleiben wir bei der Hardware.
Auf dem Tisch kann der Kenner der C 64 erkennen. Die Kiste habe ich geliebt und mit Begeisterung Programme in Basic und Maschinensprache geschrieben. Strunzlangweilige, so gut wie kaum spielbare Shooter inspiriert durch „Rambo“ oder „Godzilla“ und auch mal ein Kurvendiskussionsprogramm. Dabei ist der C 64 dann auch tragischerweise ums Leben gekommen.
Er steht übrigens auf einem Nierentischchen. Tatsache. Ein Nierentischchen mit Glasoberfläche aus den Fünfziger Jahren war mein erster Computerschreibtisch. Ich hatte auch kein Diskettenlaufwerk. War irgendwie nicht im Budget. Aber Datasette tat es ja auch. Ich habe gedaddelt, programmiert, dabei Musik gehört und von einem Akustikkoppler geträumt. Überhaupt mit dem Computer mit anderen Leuten weltweit kommunizieren. Per Telefon. Warum so nicht auch gleich zocken? Am besten sowas wie „Elite“. Ja, „Elite“ ist auf diesem C 64 gelaufen. Die Anleitung hatten wir – unerlaubterweise - im Philosophieunterricht gelesen. Oder wie mein Lehrer sagte: Das ist keine Anleitung, das ist eine paramilitärische Ausbildung. Was wir natürlich wirklich wollten, das war Gamen übers Modem. Per Telefon. Irgendwie 3D Welten in miteinander verbundenen Computern. Mit Begeisterung hätte ich mich damals in so etwas wie SecondLife gestürzt. Hätte mich wahrscheinlich den Schulabschluss gekostet.
Oben im Bild steht übrigens ein Himmelsglobus. Astronomie, das war meine Leidenschaft. Berufsziel Astrophysiker. Ich hab das sogar studiert. Aber nur im Nebenfach. 
Ich erwähnte es ja schon. Der C 64 starb etwa 1987. Nach einem Absturz. Beim zu schnellen Ein- und Ausschalten. Kleine Spannungsspitze und tschüss ROM. Ihm folgte ein Amiga 500. Auch auf dem Nierentuischchen. Aber der Amiga hatte einfach nicht den DIY Charme des C 64 und so verlor ich ab 1991 etwa einige Jahre das Interesse an Computern. Das kehrte aber mit dem ersten Internetzugang mit Wucht 1998 zurück.
Es mag den einen oder anderen verwundern. Aber dieses Bild weckt tolle Erinnerungen. Für mich war das eine großartige Zeit. Mit vielen guten Freundschaften. Das Schöne ist, dass sich das Leben für mich heute wieder so anfühlt wie damals in den Achtzigern. Es war damals auch eine kreativ Zeit. Genau wie jetzt.
Ich frage mich allerdings, was der Bursche gebloggt hätte. Hätte es damals schon Blogs gegeben. Wahrscheinlich was über „Aliens“. Und über das „A-Team“ und über William Gibson. Den habe ich ein oder zwei Jahre später gelesen. Und da stand bei mir noch immer der C 64 auf dem Nierentischchen. Irgendwie atemporal, oder Mr. Sterling?

1 Kommentar:

  1. Hihi, - Klasse. Soso, du warst also die Gegenseite. C64, Amiga. MOS Technology und Motorola gegen Zilog :-) (Das Problem mit dem Netzteil, hatte ich übrigens dunnemals durch ein eigenes mit extra Filter gegen Spannungsspitzen gelöst. Dafür hat's bei mir den Fernseher gerissen.) Den ersten TRS80 mit Speichertürmchenbau von 32 auf 64 kb und Kassettenspieler fliegt übrigens auch noch auf'm Speicher rum. Yup, tolle Erinnerungen.

    AntwortenLöschen