Samstag, 5. September 2015

Schönes Konzept: Über das große Festival der gemeinsamen Lesungen...

Gelegentlich übersieht man, dass zum Handwerk des Schriftstellers nicht nur das Schreiben, sondern auch die Vortragskunst gehört.
Nicht alle Kollegen aus der schreibenden Zunft lieben es, vor Publikum aus ihren Werken vorzutragen und manche winken bei Einladungen nur panisch ab. Andere tun es mit großer Begeisterung und so oft wie möglich. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass nicht jeder Schriftsteller ein geborener Schauspieler ist. Manche lesen selbst dramatischste Szenen so sachlich herunter wie ihre letzte Steuerklärung, während andere am liebsten aufspringen und mit Hingabe und vollem Körpereinsatz den Todeskampf ihrer Protagonisten aufführen würden. Die geschätzte Kolleginnen Anja Bagus und Jennifer B. Wind fallen unter diese Kategorie. Man könnte auch von stimmlichen Naturereignissen sprechen.
In den letzten zwei Jahren hat sich aus unseren virtuellen Lesungen ein neues Konzept entwickelt, das ziemlich einzigartig ist. Nein, ich meine damit nicht Lesungen im Cyberspace. Vielmehr unsere Idee, verschiedene Autoren, aus verschiedenen Genres und Verlagen zu einer Lesung auf die Bühne zu holen und dann gemeinsam ihre Stories in verteilen Rollen lesen zu lassen. Das passt übrigens ganz wunderbar zu meiner Theorie, dass Selfpublisher nicht konkurrieren, sondern sich automatischgegenseitig ziehen. Mich wundert, dass das nicht viel öfter so gemacht wird.  Es gibt großartige Lesetalente in der Szene.
Wir haben so einen gemeinsam Auftritt zum ersten Mal bei einer Weihnachtslesung der Brennenden Buchstaben ausprobiert, als Michael Iwoleit, der Berliner Autor Frank Sorge und ich gemeinsam eine leicht satirische Story von Michael eben nicht nur gelesen, sondern aufgeführt haben. Das war eine Kombination, die nicht nur ich ziemlich spannend fand. Üblicherweise würden wir Bühnenprofis wie Frank Sorge als einen der Brauseboys ja sonst nie bei einer Science Fiction Lesung erleben.
Für die Zuhörer ist es auch wesentlich einfacher, den Überblick in den Dialogen zu behalten und  nicht drei Zeilen weiter endgültig den Anschluss zu verlieren.
In besonders guter Erinnerung habe ich auch die Lesung mit Bernhard Giersche aus seinem Roman „Karl, ausgeliefert“. Bernhard ist mittlerweile zum Stammmitleser bei unseren Veranstaltungen geworden. Entweder tragen wir mit ihm aus seinen Texten vor, oder er leiht uns seine markante Stimme und sein Schauspieltalent für virtuelle Theaterprojekte.
Bernhard war vor einigen Monaten dabei, als wir diesmal real in Markus Bücherkiste in Soest zusammen mit Kirsten Riehl, Anja Bagus und Bernar LeSton Auszüge oder komplette Kurzgeschichten vorgetragen haben. Natürlich auch diesmal in verteilten Rollen.




Und natürlich war es ein großes Vergnügen, gemeinsam mit ihm das Theaterstück "Prudences Regiment" in SecondLife zu bestreiten
Oder die "Tiefraumphasen" bei denen auch Bernar LeSton, Markus Gersting und Michael Iwoleit mitgewirkt haben. 

Aus den ersten Kontakten mit Anja Bagus bei ihren virtuellen Lesungen hat sich mittlerweile auch eine Zusammenarbeit bei ihren zahlreichen realen Auftritten entwickelt. Anja und ich haben uns in diesem Jahr auf der Dortcon gegenseitig bei unseren Programmpunkten unterstützt und ich hatte die Gelegenheit auf der RPC gemeinsam mit ihr aus „Waldesruh“ zu lesen. Hat Spaß gemacht, Anja.
In den nächsten Wochen wird sich bei uns nach der Sommerpause nun wieder einiges Richtung Live-Literatur tun, sowohl virtuell als auch ganz real. Passend zum Herbst, der bei uns meistens die Schlechtwetter- und damit auch für viele die Haupt-Lesesaison eröffnet.



Vom Freitag, den 2. Oktober bis Sonntag, den 4. Oktober wird es beim FdL 2015 insgesamt gleich sechzehn (!) Lesungen  geben, von denen die meisten solche in verteilten Rollen sind.
Jennifer B. Wind wird gemeinsam mit mir aus ihrem neuen Thriller lesen und ihrerseits mit ihrer Stimme die Kollegen Bernar LeSton und Jens-Philipp Gründler unterstützen. Natürlich wird auch Anja Bagus wieder mit dabei sein. Wir lesen aus ihrem neuen Aetherpunk Roman „Rheingold“. Zum ersten Mal wird es dann auch einen gemeinsamen Auftritt von Judith Vogt, Tom Daut und dem Kueperpunk geben. Das ihm Rahmen des einstündigen Umray Specials am Samstag. Rael Wissdorf liest außerdem zusammen mit seiner Kollegin Idril Amat. Beide sind ganz hevorragende Vortragende. Außerdem wird es zwei Live Theater zu sehen geben. Wir eröffnen mit „Kleine Unannehmlichkeiten im interstellaren Dinner“ (Kirsten wird eine Rolle übernehmen) am Freitag und am Sonntag, spielen Frederic Brake und ich gemeinsam sein neues Bühnenstück.
Das komplette Programm für das FdL gibt es unter diesem Link:

Das Programm des FdL 2015!


Am Samstag, den 24,. Oktober geht es dann real weiter mit einer von Bagus organisierten Steampunk Lesung im Kunsthaus in Essen bei der Release-Party zur Veröffentlichung der Romane „Rheingold“ und „Aetheragenten“.
Auch dort wird es szenische Lesungen geben und ich freue mich besonders darauf, meine Story „Prudence Regiment“ diesmal gemeinsam mit Tom Daut in der Rolle des Finley zu lesen.
In Sachen szenische beziehungsweise gemeinsame Lesungen steht also einiges an in den nächsten zwei Monaten. Wir freuen uns drauf und basteln natürlich schon jetzt an den folgenden Events. Falls jemand Mitleser für Veranstaltungen sucht, egal ob in der realen Welt, für virtuelle Events oder für Audioaufnahmen lassen wir uns auch gern einspannen.
Nach der szenischen Lesung ist vor der szenischen Lesung.

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