Donnerstag, 21. Januar 2016

Gelesen: "Dark Zero" von Douglas Preston...


Preston schickt seinen Wissenschaftsermittler Wyman Ford - wir kennen ihn aus Romanen wie "Credo" oder "Canyon" -  auf die Spur der flüchtigen Software-Ingeneurin Melissa. Die von ihr entwickelte KI Dorothy sollte eigentlich eine Forschungsdrohne über den Methanozean auf dem Saturnmond Titan steuern. Als Dorothy das begreift, tötet sie in einer Panikreaktion - menschlich durchaus nachvollziehbar, wer badet schon gern in flüssigem Methan? - sechs NASA Mitarbeiter durch eine Explosion und lädt sich selbst ins Internet hoch.
Wyman und Melissa bemerken schnell, dass auch ein skrupelloser Aktienhändler mit ganz eigenen Interessen Dorothys Fährte folgt. Die KI findet derweil Unterschlupf im Prototyp eines Roboters und freundet sich mit dem Vierzehnjährigen Jacob an. Der Junge ahnt nicht, dass er und seine Eltern in Lebensgefahr schweben.
Aus dem Ruder laufende artifizielle Intelligenzen mit Gottkomplex sind ein klassisches Science Fiction Motiv und das nicht erst seit HAL 9000 in „2001 – Odyssee im Weltraum“. Wenn man so will, bewegt sich Preston auf ausgetretenen digitalen Pfaden. Glücklicherweise gelingt es dem Altmeister, seiner Variation des Thema Deus Ex Machina nicht nur Leben sondern auch einige unerwartete Charakterzüge einzuhauchen. Preston weiß einmal mehr solide zu unterhalten, wenn er sich auch gewisse technische Freiheiten nimmt, die Technikpuristen so nicht gefallen werden. 
Wie soll sich eine komplette KI mit der gesammelten Menge an Informationen, aus denen sie besteht  mal eben in ein Kinderspielzeug downloaden und auf dieser Plattform dann noch funktionieren? Selbst wenn die Datenmenge passt, wäre die Hardware  mit den Anforderungen der Software an die Menge von Rechenoperationen völlig überfordert. Wenn man jedoch über solche Kleinigkeiten hinwegsehen möchte, hat man einen großartigen Roman mit einer wie ich finde ganz umwerfenden Pointe vor sich. Nur soviel: Dorothys finalen Hack brauchen auch wir dringend!
Absolute Leseempfehlung!

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