Montag, 21. März 2016

Die (kleine online-) Literaturszene funktioniert doch fabelhaft...

Auf der Leipziger Buchmesse wurden die Buchblogger zu mehr Professionalität aufgefordert. Eine Erklärung für das plötzliche Interesse der Verlage am Bloggen wurde bereits von Frau Anonymus bei den Phantanews gegeben, die passende Antwort auf die Aufforderung hat heute Stefan Holzhauer formuliert. Damit haben die beiden auch schon alles gesagt, was dazu zu sagen wäre und ich kann mich nur im vollen Umfang anschließen. Eigentlich gibt es für mich keinen Grund mehr, jetzt noch irgendwas dazu zu schreiben. Als Blogger tue ich es aber trotzdem.
Die Buchblogger sollen also professioneller werden.
Professionalität fordert Standards, Standards erreicht man durch Regeln und Regeln töten die Originalität. Ganz besonders in einem Medium wie Blogs, in denen es schon immer um die Artikulation persönlicher Eindrücke, Erfahrungen und natürlich Meinungen ging und das auf möglichst kreative und individuelle Art und Weise.
Wird mehr Professionalität gefordert, impliziert das natürlich auch, dass irgendetwas falsch gemacht wird. Genau das erstaunt mich. Was läuft denn nicht richtig? Was die Blogszene angeht, herrscht unüberschaubare Vielfalt und es wird mit großer Begeisterung rezensiert, kommentiert und diskutiert. Allerdings nicht ausschließlich über die Produkte der Etablierten, sondern eben auch über all die wunderbaren Veröffentlichungen aus kleinen Verlagen und von Selfpublishern. Ist es nicht eher diese Bandbreite, die nicht jedem gefällt?
Uns allerdings schon.
Leser waren schon immer Kritiker. Aber jetzt können sie sich vernehmbar äußern und sie verstehen es, mit ihrem Medium umzugehen. Eben jenen Blogs, deren Bedeutung man jahrelang von professioneller Seite erfolglos klein reden wollte. Und so versucht man jetzt zu instrumentalisieren, was man zu spät ernst genommen hat und raunt: „Wenn Du sowieso nicht das Maul halten kannst, dann werde einer von uns.“
Aber wozu? Die Buchblogger sind bereits absolut professionell in dem, was sie tun. Denn was haben professionelle Rezensenten jemals anderes getan, als uns ihre subjektiven Eindrücke als objektive Expertise verkaufen zu wollen? Da sind die Buchblogger ehrlicher. Als Fachleute bezeichnen sich nur wenige. Sie sind echtes unverfälschtes Publikum. Authentisch eben.
Nein die Literaturblogszene sollte nicht nur nichts ändern, sie brummt auch. Aber da tut sich noch mehr.
Und damit entferne ich mich etwas von den Blogs und komme zur Literaturszene, so wie sie sich für mich momentan darstellt. Natürlich meine ich damit die kleine Szene, nicht die große der Etablierten.
Autoren und Leser, Blogger und Fans sind so verdrahtet wie sie es noch nie zuvor waren. Die schreibende – und lesende - Szene ist ein vor Aktivität brodelndes Netzwerk, aus dem heraus Kooperationen und Veranstaltungen entstehen und das in einer Vielfalt, wie es sie vor wenigen Jahren noch nicht gab. Zumindest kommt mir das so vor, allein wenn ich an unsere virtuelle Lesungen denke und daran, wie sich dort Autoren, Leser und auch Blogger zusammenfinden.
Die Community ist auf der großen Social Media Bühne viel lebendiger, als sie es jemals zuvor war. Konkurrenz gibt es auch, aber die steht nicht im Vordergrund. Gerade die kleinen Verlage und Selfpublisher ziehen sich gegenseitig.
Man tritt zusammen auf, man liest sich gegenseitig, ob nun auf echten Cons oder bei virtuellen Veranstaltungen, Man ist offen für neue Ideen, scheut sich nicht vor Minievents in Kellern und genau so wenig vor Lesungen auf großen Bühnen, wenn sich die Chance ergibt. Ich beobachte das vor allem in der Fantastikszene, in der meiner Erfahrung nach im Augenblick viel mehr miteinander als gegeneinander erreicht wird.
Es gibt zwar noch ein paar antiquierte und irreparable Dauerbaustellen, aber die versinken langsam in der Bedeutungslosigkeit. Im großen und ganzen macht es Spaß, sich im Jahr 2016 auf Blogs und Social Media Plattformen zu bewegen und mit möglichst vielen verschiedenen Autoren und Bloggern zusammen etwas zu stemmen. So empfinde ich es beispielsweis, wenn wirV eranstaltungen wie das ab dem 8.April stattfindende BB E-Book Event organisieren.
Es ist auch gar nicht nötig, irgendwelche Vereine zu gründen, um die Vernetzung zwischen Autoren und Machern zu fördern. Mit Vereinen verhält es sich so wie mit der "Professionalität". Es geht um die Definitionshoheit. Was ist professionell? Was gehört zum Genre? Was ist Steampunk? Was ist gut genug? Unter dem, was eigentlich nicht gut genug ist, biegen sich leider nun mal gelegentlich die Ladentische, weil es tonnenweise drüber geht.
Nein, das funktionierende Netzwerk ist längst da und es heißt auch nicht Facebook oder Twitter, es ist vielmehr die Summe all dieser Plattformen auf der sich vielfältige Verbindungen bilden.
Der eine oder andere wird allerdings bedauern, nicht an der zentralen Schaltstelle zu sitzen. Die gibt es nämlich nicht. Vernetzung entwickelt sich frei und gleichberechtigt in alle Richtungen. Und das macht die Resultate ja erst so interessant.
Der Schlüssel zur Teilnahme steht jedem zur Verfügung. Das Gespräch suchen, mal Nachfragen, Gedanken äußern. Jeder kann sich einbringen. Mit absolut unprofessionellen, aber dafür originellen Ideen, die man vorher nie zu äußern wagte. Bei uns sind das beispielsweise virtuelle Lesungen, bei euch etwas völlig anderes.
Liebes großes ungeregeltes Literaturnetzwerk. Bleib unprofessionell, aber stets experimentierfreudig. Ich finde dich großartig, wie du bist.

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