Donnerstag, 5. Mai 2016

Die Orchideen Krieger: Warum sich schlechte Bücher so gut verkaufen...


Mit dieser Frage habe ich mich kurzer Zeit im Rahmen eines Comedyprogrammes...äh einer wissenschaftlichen Untersuchung auseinandergesetzt:

Exemplarisch möchte ich das Augenmerk auf ein Werk richten, das mir unlängst beim Stöbern im Verzeichnis eines großen Online Buchhändlers aufgefallen ist. Ein Fantasy-Roman, wie ich im ersten Augenblick vermute.
Sein Titel: Der Orchideen-Krieger…
Es muss wohl besagter Orchideen Krieger sein, den man auf dem Cover in voller Pracht bewundern kann. Ein stattliches Exemplar seiner Art, das sogar noch den Kopf des gepanzerten Pferdes neben ihm überragt. Zwei Meter groß, 128 kg schwer, 59 cm Oberarmumfang, Six Pack, Tribal Tätowierungen am ganzen Körper.
Er ist gewaltig, er ist stark, eine rasende Bestie in der Schlacht, die kein Erbarmen mit ihren Gegnern kennt.
Und er hat eine Orchidee.
Wieso eigentlich ausgerechnet eine Orchidee?
Also wenn ich mir das mal genauer ansehe. Eine Bürste hat er auch.
Und er widmet sich damit der Pflege seines Haars, während er neben dem gepanzerten Kriegsross steht und…schmunzelt?
Und was soll all das Rosa um ihn herum?
Oh, ich verstehe. Das Label „Gay Fantasy Romance“ beult sich auf Schritthöhe des Recken aus und ich begreife nun, warum er zwei Köpfe und vier Arme hat. Hinter ihm steht nämlich ein baugleiches, aber noch größeres Exemplar, ebenso muskulös, ebenso langes Haar, nur diesmal mit der schwarzen Loreal Tönung und… - beide kuscheln…
Ich schaue mir das genauer an und begreife, dass sie sich gegenseitig…bürsten. Also das Haupthaar.
Anscheinend hecken sie dabei eine Kriegslist aus. Der mit den schwarzen Haaren flüstert dem Blonden jedenfalls gerade eine Taktik zu.
Oder er knabbert einfach nur an seinem Ohr?
Tatsächlich, er knabbert.
Und die Hand steckt auch nicht in seinem eigenen Hosenbund.
Irgendwie macht mir die Vorstellung Angst, die beiden Hünen könnten die bereits angesprochenen Orchideen herausholen.
Vor allem, weil ich mir mittlerweile auch nicht mehr sicher bin, welche Rolle das Pferd dabei spielt.
Nicht nur wegen der Schleifchen in seiner Mähne.
Sondern auch am…
Vielleicht ist es doch an der Zeit, sich die Sache von hinten zu betrachten.
Also den Klappentext.
Werfen wir mal einen Blick auf den knapp umrissenen Inhalt von „Der Orchideen Krieger“.
Gaylen und Ardivan, sind zwei tapfere Söhne des Wildermen Stammes.“
Äh Moment, die beiden sind auch noch Brüder? Mein lieber Schwan, da geht aber wirklich die Post ab.
Dass die Wildermen heißen verwundert mich jetzt auch irgendwie nicht. Wilderwomen scheinen da nicht so gefragt zu sein.
Nicht mehr viele ihrer Art sind übrig. Das einst ruhmreiche Volk muss nun ums Überleben kämpfen.“
Ich hätte ne Idee, woran das liegen könnte, aber nur meine Meinung.
Der brutale Tyrann Pulsa Broom jagt die letzten Wildermen erbarmungslos durch die Steppen, des weißen Landes.“
Pulsa Broom? Also ich könnte schwören, das habe ich… Na ja, er muss jedenfalls einen verdammt gewaltigen pulsierenden Besen haben.
Ja damit macht man Eindruck bei den Wildermen.
Die Kräfte der Krieger schwinden. Ihre einzige Chance besteht in einem eigentlich hoffnungslosen Überraschungsangriff auf Brooms gewaltigen Truppenverband im …Anulf Engpass.“
Dazu möchte ich jetzt eigentlich gar nichts sagen. Ja, ich kann auch nichts dafür, das steht da so!
Gaylen und Ardivan sind bereit, sich Broom zu stellen. Dabei entdecken sie ihre wahren Stärken…und die Macht ihrer Orchideen.“
Ja, das hatte ich irgendwie befürchtet.
Wird es den beiden gelingen, ihr Volk vor dem Untergang zu bewahren?“
Nein, ich fürchte nicht. Selbst bei intensivster Zusammenarbeit, werden sie sich Hilfe bei jemandem holen müssen, der sich mit so was auskennt UND über ein Doppel X-Chromosom verfügt.
Die beiden werden sich also gegen Pulsa Broom aufrichten…also ich meine, die beiden werden sich gegen Pulsa Broom erheben…äh, sich ihm wie Männer entgegenstellen.
Mit den Orchideen in Händen.
Es gibt schon Bücher, die mir Angst machen.
Blättern wir doch mal vor!
Pulsa Broom: „Ich bin Pulsa Broom. Wer ist dieser inzüchtige Abschaum, der es wagt, mir die Stirn bieten zu wollen?“
Wenn ich mir die Anmerkung erlauben darf, Pulsa, ich fürchte, es ist nicht nur die Stirn! Nur sone Idee.
Pulsa Broom: „Ich gestatte Euch, das Wort zu erheben. Zu meinem Vergnügen in diesen finsteren Zeiten , in denen ich mich so sehr langweile. Denn die Darbietung meiner Gegner erschöpft sich stets in ihrem jammervollen Untergang. Bedenkt nur eines: Wählt Eure Worte weise, denn es werden Eure letzten sein, erbärmliche Sprösslinge des Wildermen Stammes.“
Es ist Ardivan, der das Wort ergreift. Um sein wild pochendes Herz zu beruhigen, versucht er sich Pulsa bei einer ganz alltäglichen Tätigkeit vorzustellen.
Draußen.
Unter einem Wasserfall.
Beim Duschen…
Wie silberne Tröpfchen Edelsteinen gleich erst entlang seines von der Sonne gebräunten Halses, dann zwischen den üppigen Gebirgen seines Pectoralis Major hinab perlen, um schmelzend eine feuchte glänzende Spur auf seinen Musculus Rectus abdominis zu zeichnen und von dort endlich immer schneller werdend in Richtung seines…
Also, ich denke, ich überspringe die nächsten 24 cm jetzt mal.
Ich mache lieber an der Stelle weiter, wo Ardivan endlich Pulsa Broom den Marsch blä….Meinung sagt.
Endlich gelingt es Ardivan, sich selbst zu fassen.
Es spricht nur zwei Worte, aber sie lassen die Steppe erbeben.
Hi, du!“
Pulsa Broom schnauft geringschätzig. „Du bist es nicht wert, mein Schwert zu zücken.“
Dann geh weg, sonst hau ich Dich mit meinem Blümchen!!“
Pulsa Broom: „Ich fürchte Eure Orchideen nicht!! Kniet nieder.“
Gaylen und Ardivan tauschen entschlossene Blicke. Gaylen hat eine Braue gehoben:
Siehst Du, ich hab Dir doch gesagt, er ist eigentlich gar nicht so übel!“

Ardivan stemmt in einer brachialen Geste die Hände in die Hüften, dabei macht seine Orchidee eine welkende Bewegung: „Er will damit sagen, dass er uns töten will, Dummerchen.“
Gaylen reißt entsetzt die Augen auf: „Nein, die ganz harten Nummern ohne mich!“
Pulsa Broom zückt sein Schwert: „Haben sie zwei Wäscherinnen geschickt, sich mir in den Weg zu stellen.“
Gaylen tritt vor: „Wir wollen Dir nur eine Frage stellen.“
Stellt Sie und dann schweigt für immer.“
Gaylen richtet den muskulösen Arm auf Pulsa Broom, den Finger anklagend erhoben. Das weiße Land verstummt unter dem Echo seiner Frage:
Wie kriegst Du das hin, dass dein Zopf so hoch stehen bleibt? Bei mir klappt das nie!“
Pulsa Broom deutet voller Verachtung mit seinem gewaltigen Omphalus Schwert auf die beiden Recken.
Sein donnernder Befehl zwingt die Wolken am Horizont, Blitze zu gebären und eine Stadt namens Atlantis versinkt auf der Stelle im Ozean. (Zum großen Erstaunen ihrer Erbauer übrigens, die extra ein seebebensicheres Grundstück verlangt hatten. (Lesen sie dazu auch meinen Roman: Posaunenvorspiel in Atlantis )).
Reitet sie nieder!“

Also wenn Du mich fragst, Pulsa, haben sie´s genau darauf angelegt. Und wenn du darauf reinfällst, werden sie Dir ordentlich den Pony bürsten und die Nummer im Anulf Engpass läuft wie geschmiert.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle doch nicht weiter lesen.
Damit möchte ich meine Ausführungen für heute dann auch beschließen.

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