Sonntag, 12. Juni 2016

Gelesen: "Das Objekt"...




Ich liebe Erstkontaktromane. Das Thema begeistert mich nun schon etwa so lange, wie ich lesen kann. Ben Bovas „Erstkontakt“, Carl Sagans „Contact“, Fred Hoyles „A wie Andromeda“, Greg Bears „Schmiede Gottes“ oder Larry Nivens „Fußfall“. Nur einige der Romane, die mich in den letzten vier Jahrzehnten begeistert haben.
Nicht verwunderlich, dass ich an „Das Objekt“ von John Sandford und CTEIN nicht vorbei gehen konnte. Um das vorweg zu nehmen: Ich bin absolut begeistert – was anscheinend nicht jedem Leser so ergangen ist, wie die Rezi drüben beim Würfelheld zeigt.
„Das Objekt“ ist definitiv ein Hard Science Roman. Mehr als einmal musste ich bei der Lektüre anerkennend nicken. Da hat sich offensichtlich jemand ernsthaft Gedanken gemacht, wie er ein oder besser gesagt zwei Raumfahrzeuge in überschaubarer Zeit samt Besatzung zu Saturn bringen kann, ohne die „In 50 Jahren geht das eben“-Karte zu spielen. Die beiden Autoren sprechen diesen Punkt im Nachwort selbst an. Ihre Ansichten zur Raumfahrt des letzten halben Jahrhunderts decken sich mit meinen: Die Raumfahrttechnik stagniert. Und deswegen sind Sandford und CTEIN einfach davon ausgegangen, dass das auch für die nächsten 50 Jahren nicht anders aussehen wird.
Deswegen haben sie ein Raumfahrzeug auf der Basis des heutigen Kenntnisstands entwickelt. Es Nixon zu nennen, entbehrt nicht einer gewissen Frechheit. Nicht das einzige Mal, dass ich meine, einen Hauch von Satire zwischen den Zeilen zu spüren.
„Das Objekt“ wimmelt von dominanten weiblichen Persönlichkeiten, die hilflosen Männern in den Hintern treten. Besonders amüsant fand ich eine zu Handgreiflichkeiten neigende Cholerikerin als amerikanische Präsidentin. Der gestählte Ex-Elitesoldat treibt es nicht mit der ultrascharfen Journalistin sonder präferiert die kleine dicke Kernphysikerin. Und natürlich müssen in einem amerikanischen Roman die Chinesen irgendwie die Bösen sein, sind es dann aber versöhnlicherweise irgendwo auch nicht.
Für mich haben all die kleinen Geschichten in der großen Geschichte einfach hervorragend funktioniert und so ist es mir meistens schwer gefallen, „Das Objekt“ an die Seite zu legen. Gerade, weil mich natürlich brennend interessierte, was es mit dem titelgebenden Artefakt und seiner möglichen extraterrestrischen Besatzung auf sich hat.
Womit wir bei einer schwierigen Frage wären:
Wie bietet man dem abgebrühten Science Fiction Leser des Jahres 2016 neue und überraschende Aliens. Eben den Sense of Wonder der frühen Science Fiction Ära? Dieses Problem haben die Autoren auf pfiffige Art und Weise gelöst. Oder sollte ich besser sagen: Sie haben es umgangen?
Mehr will ich hier auch nicht verraten, nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen.
Das Objekt: Ganz großes Tennis...äh Astrodynamik.

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