Mittwoch, 27. Juli 2016

Gelesen: "Karl - ausgeliefert - "



Der Roman meines geschätzten Kollegen Bernhard Giersche liegt hier eigentlich schon viel zu lange. Vorgestern habe ich spontan beschlossen sein Buch endlich zu lesen – und es im Verlauf der letzten 48 Stunden auch nur noch unfreiwillig beiseite gelegt.
Der Kleinkriminelle Marius Kleinhans will endlich das große Ding drehen und versucht sich an einer Entführung. Es gelingt ihm tatsächlich den Multimillionär Karl Grothner in einer waghalsigen Aktion in seine Gewalt zu bringen. Doch Kleinhans konnte nicht ahnen, mit wem er es da zu tun hat. Grothner hat eine dissoziale Persönlichkeit, die ihn zu einem menschlichen Automaten ohne jede Emotion hat werden lassen. Einen Menschen als Geisel zu nehmen, der keine Angst empfinden kann, erweist sich als extrem schlechter Einfall. Schon bald übernimmt Grothner die volle Kontrolle über die Situation, die er zu einem Spiel nutzt, in dem nicht nur Kleinhans zur willenlosen Marionette wird.
Bernhard hat mit „Karl“ nicht einfach nur einen grundsoliden Thriller abgeliefert, nein, ich würde weitergehen und behaupten, ihm ist ein echtes Glanzstück gelungen. Seinen „Karl“ hat er so akribisch gezeichnet, dass man beim Lesen beinahe seine Anwesenheit zu spüren glaubt. Doch nicht nur das. Um die titelgebende Hauptfigur herum hat er gleich eine ganze Menagerie von Soziopathen angelegt, die sich nun gegenseitig in Intrigen und Machtkämpfe verwickeln und damit den weiteren Verlauf der Ereignisse weitgehend unvorhersehbar machen. Das ist keine konstruierte Geschichte, sondern eine, die sich im Verlauf des Schreibens entwickelt hat.
Es hat mich natürlich ganz besonderen Spaß gemacht, Bernhards Roman zu lesen, nachdem ich den Part von Karl bereits bei mindestens zwei Lesungen übernehmen durfte.
Bernhard, das Ding ist ganz großes Kopfkino. Super!

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