Freitag, 12. August 2016

Gelesen: "Dark Space"...



Es ist nicht etwa so, dass mich Jasper T. Scotts „Dark Space“ nicht unterhalten hätte. Der Roman, der der Auftakt zu einer international recht erfolgreichen Serie ist, macht den spannungsbedürftigen Zwischendurch-Leser durchaus satt. Etwa so wie es ein schon fast vorverdauter Burger aus einer beliebigen Fastfoodkette den Magen füllt.
Die Menschheit ist mal wieder geplättet worden. Natürlich von insektoiden Aliens mit komischem Namen und überlegener Schlagkraft. Ja, das kommt uns durchaus bekannt vor. Unter anderem aus einem gar nicht so schlechten Zeichentrickfilm.
Mein Problem sind eben jene häufigen und massiven Deja Vus die „Dark Space“ bei mir statistisch etwa alle drei Seiten auslöst. Das liegt vorrangig an den Begrifflichkeiten mit denen Scott voller Wonne hantiert. Kreuzer müssen selbstverständlich gleich imperiale Kreuzer sein, obwohl von einem Imperium sonst eigentlich nie die Rede ist. Kampfjäger werden durch Beschleunigungsröhren angefeuert und die Kampfschiffe, die große Pötte quasi als Beiboote an Bord haben heißen ausgerechnet „Defiants“. Dass das mysteriöse Volk, das den Menschen beim Gegenangriff beistehen könnte, ausgerechnet die Gors sind ist jetzt auch nicht so ungeheuer originell.
Jasper T.Scott hat da etwas geschrieben, das nicht unbedingt negative Assoziationen bei mir weckt, ganz im Gegenteil. Es lässt sich nur nicht leugnen, dass dies alles sich so liest wie meine ersten Schreibversuche aus dem Jahr 1981 auf einer alten Schreibmaschine. Und natürlich waren es diverse wohlbekannte Franchises die damals den Treibstoff für die Fantasie junger Schreiberlinge lieferten. Auch meine ersten Kreuzer waren imperiale und wir wissen alle, woher das kam.
„Dark Space“ ist dennoch ein süffiges Lesevergnügen, nur eben nicht im literarischen Deep Space sondern an der Oberfläche, wo die süßen Plastikraumschiffchen schwimmen. Noch dazu gebärdet sich Scotts Roman zum Ende hin wie eine Telenovela, was das aus dem Hut zaubern tot geglaubter Charakteren angeht. Ja, Dark Space hat seine „Ich dachte du wärst tot.“ „Das war ich wirklich!“-Momente.
Literarisch kein Vergleich mit dem brillanten „Objekt“ aus dem selben Verlag,
Und doch, ich will nicht ausschließen, dass ich mir noch einen Teil der Reihe geben werde. Mir drängt sich nur leider ein unschöner Verdacht auf:
Hätte ein deutschsprachiger Autor dieses Manuskript einzureichen versucht, hätte man das mit einem Schmunzeln abgetan. Aber wenn das Ding im englischsprachigen Raum weggeht wie arme Semmeln, sieht das natürlich ganz anders aus.
Eines aber trotzdem noch. Ich schrieb vor einiger Zeit, das eine Rezension niemals mit den Worten „Auf dem Cover sieht man...“ beginnen sollte. Ich werde meine auch nicht damit beenden. Nur soviel: Ich bin absolut begeistert von der Umschlaggestaltung bei Piper. Das galt ebenfalls für das „Objekt“. Und obwohl für mich zwischen diesen beiden Büchern Universen liegen, werden sie deswegen dennoch in meinem Regal nebeneinander stehen.
„Dark Space“. Defintiv keine schlechte Wahl für reine Actionfans. Wer aber höhere Ansprüche stellt, wird damit nicht unbedingt glücklich werden.


Meiner Ausgabe lag sogar ein abgeschossener Raumjäger bei. Nein, das war unabsichtlich. Das Tierchen muss sich vom Kräutergärtchen her einfliegend dort niedergelassen haben. Zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt.

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