Sonntag, 23. Oktober 2016

BukTom hat den Brennenden Buchstaben eine Science Fiction Story gewidmet...

Auf dem BuCon hat er uns auch noch eine Papierversion übergeben. Aber ich finde, diese Geschichte gehört auch hier ins Blog. 

EXPANSION
(SF-short-story von BukTom Bloch)

"Nun ist es bald soweit", sagte Thoküp versonnen und zwei seiner Arme fluktuierten grünlich im Abendschein.
"Ja.", erwiderte Zauri, "Irgendwie ist es ja doch aufregend. Aber vor allem macht es uns zufrieden, das ist ein gutes Gefühl."
Auch zwei ihrer Arme funkelten nun sanft, Eintracht mit Thoküp signalisierend.
Das Volk der Secolis stand in gewisser Weise am Ende seines Weges. Was aber niemanden betrübte oder gar beunruhigte, eher wurde dies als eine natürliche Vollendung wahrgenommen.
Der Zyklus der Sonne ihres Hauptsystems würde einen Sprung machen. Groß war überall die Freude, als sich die Zeichen und Messungen mehrten, dass sie wie erwartet tatsächlich zur Supernova werden würde. Dies gab dem sehr alten Volk eine grandiose Chance.
Als die Entwicklung als wirklich sicher galt und der Prozess auch bereits in Gang geriet, kehrten fast alle Secolis von den zahlreichen Kolonialwelten zurück ins Heimatsystem. Sie lösten damit bei vielen Völkern anderen Ursprungs Trauer und Bedauern aus, denn die Secolis waren beliebte Partner, ruhig, abgeklärt, freundlich und kreativ.
Verständnis gab es aber allerorten dennoch. Völker die noch nicht um die Gesetze des Lebens wussten, wurden nun spätestens zu diesem Zeitpunkt eingeweiht in die modernen Erkenntnisse der Astrophysik (die den Secolis selbst freilich schon sehr lange bekannt waren). Danach verstand jeder, worum es wirklich ging.
"Was wohl alles aus uns werden wird?" führte Thoküp den Dialog fort und strich mit einigen Armen behutsam über das Glas der Beobachtungskuppel.
Zauri ließ alle ihre Augen freudig pulsieren. "Eine Menge! Da bin ich ganz sicher. Wir haben uns mathematisch fast exakt im System verteilt. Gleichmäßiger könnten es die Großen Denker von Elgoog nicht berechnen! Das erhöht die Chancen, dass wir vergleichsweise viel und das relativ schnell erreichen, ganz deutlich."
Thoküp kreiste dazu zustimmend mit dem Kopf.
Die Sonne, das gesamte System würde in einer Ehrfurcht gebietenden Explosion aufgelöst und ins Universum hinaus getragen werden, weit, sehr weit über die Scorpius-Centaurus-Assoziation hinaus. Bis auf einen kleinen Rest der ursprünglichen Sonne natürlich.
Die Secolis lebten schon sehr lange in diesem System, eine Million Jahre sicherlich, und sahen es als ihre Heimat an. Entwickelt hatten sie sich hier freilich wohl nicht, dazu war die kosmische Lebensdauer solcher System schlicht zu kurz. Doch die Anfänge lagen im historischen Dunkel. Selbst ihr Volk hatte archaische Zeitalter gekannt.
Zauri nahm den Faden wieder auf: "Ja, es ist nun jeden Moment soweit. Es ist schön, dass wir diesen Augenblick zusammen erleben!" Und nun fluktuierten und funkelten ALLE ihre Arme. "Dann kann es ja losgehen, mit unserer Expansion!"
Thoküp stutze ein wenig und erwiderte amüsiert: "Ja, das ist wirklich schön! Aber: `Expansion`? Das klingt ja fast wie etwas aus den archaischen Zeitaltern!"
"Genau.", entgegnete seine Begleiterin belustigt, "Wir erobern und vereinnahmen das Weltall! Barbarisch und dumm, wie in den uralten Zeiten, als die Secolis sich auf den planetarischen Inseln bekriegten oder aus Gründen wie `unterschiedliches Farbflimmern der Arme` -dies säuberlich nach Gruppen aufgeteilt- die Pseudopodien versohlten und so weiter!!"
Eine Sekunde herrschte Stille.
Dann brachen beide in ein lautes und lang anhaltendes Gelächter aus.
...in das hinein sich die Sonne endgültig wandelte und als Supernova erstrahlte.
Was nun geschah, hatten die Secolis schon vor langer Zeit durch andere, noch wesentlich ältere Völker erfahren und ihre eigenen Forschungen hatten es bestätigt.
Das kosmische Material von Supernovae verteilte sich im All, traf auf andere Systeme und beeinflusste diese. Da, wo es noch kein Leben gab, war es geeignet, diesen Entstehungsprozess in Gang zu setzen.
Und, noch wunderbarer, dort wo es bereits erstes Leben gab, wurde oftmals der erste Anstoß zur Entwicklung von Intelligenz, von Bewußtsein gegeben.
Das älteste Volk, das die Secolis je kennen gelernt hatten, waren die Etaner. Diese hatten ihnen glaubwürdig versichert, in dem neu entstehenden Bewußtsein auf anderen Welten seien klare Bezüge zu den Eigenschaften der jeweiligen Bewohner von Supernovasystemen zu finden gewesen, sofern es in diesen solche gab. Das habe sich immer wieder bestätigt, im Laufe sehr vieler Jahrmillionen.
Und dies, dies war eine Art der "Expansion", der sich die Secolis gern zur Verfügung stellten...
Auch das so genannte Solsystem hielt sich übrigens vor 2,7 Millionen Jahre für längere Zeit in den Resten der Secoli-Supernova aus dem Sternverband Scorpius-Centaurus OB auf.
Ein Umstand, der sich heute allerdings nur noch anhand der eigentümlichen Konzentration von Fe-60 in Ketten von Magnetit-Nanokristallen weniger in Ozeansedimenten lebender, eisenliebender Bakterien nachweisen lässt...
(BTB, 2016)

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