Freitag, 16. Dezember 2016

Was aus Herne: Die Schranke an der Langestraße...

Ruhige Wohnlage. Wörtlich.


Als Anwohner der Langestraße in Herne Sodingen darf man sich glücklich schätzen. Lebt man doch auf einem nicht nur unerwarteten, sondern vermutlich auch schönsten grünen Flecken mitten im Ruhrpott. Manch einer, der von der Gerther Straße in Herne abbiegt, glaubt vermutlich irgendwo ein Dimensionsportal passiert zu haben und sich plötzlich mitten im Sauerland wiederzufinden. Nein, keine Frage, an der Langestraße zu wohnen, ist ein Privileg.
Gäbe es da nicht ein kleines Problem: Die Langestraße ist nicht nur eine Anliegerstraße, sie ist ab Hausnummer 80 auch nur für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Mit anderen Worten: Auch uns als Anwohnern ist es nicht erlaubt, die Langestraße als Durchfahrt ins Dorf Holthausen zu nutzen.
Das kümmert bedauerlicherweise allenfalls uns, nicht aber die zahlreichen Durchfahrer, die sich offensichtlich daran erfreuen, sich die Gerther Straße mit ihrem ermüdenden Tempo 30 Limit zu sparen und statt dessen die deutlich engere Langestraße mit bis zu 70 Stundenkilometern befahren.
Ein Temporausch, der die Idylle stört.
Die Formulierung, die Stadt bemühe sich um eine Lösung des Problems, wäre vermutlich zu hoch gegriffen. Dennoch gab es Versuche, den Durchgangsverkehr zu unterbinden. Beispielsweise mit diagonal auf der Kreuzung Langestraße/Beimbergstraße aufgestellten Pfosten, die eine Weiterfahrt nach Gerthe und Holthausen unmöglich machten. Auch durch sie ließen sich die unerwünschten Durchfahrer nicht abhalten. Sie kreuzten konsequent über ein anliegendes Feld ab und richteten dabei erheblichen Schaden an.
Die Pfosten verschwanden innerhalb kürzester Zeit wieder und der Langestraßler dachte nicht mehr an die Sache. Bis wir vor einigen Monaten mit einem völlig neuen Lösungskonzept konfrontiert wurden. Einem fulminanten Ansatz, von dem man behauptete, wir wären damit einverstanden gewesen. Wann auch immer das gewesen sein soll. Keiner von uns weiß etwas von der entsprechenden Sitzung. 

Mit Pförtner sicherlich ne feine Sache. Aber ohne?

Statt einer einfachen und effektiven Lösung bestehend aus einer Schranke hinter der Hausnummer 80, hat man sich für ein brandneues Konzept entschieden. Eben diese Schranke, nur verortet noch vor den Häusern der Anwohner zwischen den Hausnummern 23 und 29.
Anscheinend war man, was die Anzahl der Alternativen anging, dann doch etwas..nun ja, beschränkt.
Wer nun ahnt, die Stadt Herne würde von uns erwarten, ab sofort unsere Autos jenseits der Schrankenanlage zu parken, der irrt. (Obwohl wir das – offen gestanden -. nie wirklich ausgeschlossen hatten.)
Es wurde sogar eine aufwändige Wendemöglichkeit geschaffen, um uneinsichtigen Abbkürzern die Rückfahrt zu erleichtern.
Da steht er nun also, unser prachtvoller Antidurchfahrtsschutzwall. Seit geschätzt etwa 5 Wochen? Offen, ungeschlossen, um nicht zu sagen: völlig sinnfrei.
Es muss vor drei Wochen gewesen sein, als zum ersten Mal jemand von der Stadt auftauchte und sich irritiert beim Nachbarn erkundigte, wieso die Schranke offen sei. Der Mann vom Fach war dann wohl auch durchaus erstaunt, als besagter Nachbar ihm offenbarte, dass wir bisher keine Schlüssel erhalten haben. Und nur eine Woche später kamen die ersehnten Schlüssel. Für einige auserwählte Anwohner. Mit dem Hinweis, sie bitte noch nicht zu benutzen. Man habe zu wenig mitgebracht.
Jetzt, es mag noch eine oder zwei Wochen vergangen sein, liegt ein einzelner Schlüssel vor unserer Haustür. Was einerseits sehr erfreulich ist, andererseits den Umstand ignoriert, dass allein unsere Familie zwei der Schlüssel benötigt und wir weitere zwei Schlüssel für die Parteien unten im Haus brauchen. Die einfache Idee, mal anzuklingeln und nachzufragen, scheint so naheliegend dann wohl doch nicht zu sein. 

Und so handlich...


Doch selbst wenn jede Partei endlich ihren – sehr handlichen, ganz leichten, ungefähr 30 Zentimeter langen – Schlüssel erhalten hat, stellen sich doch Fragen zur Praktikabilität der Schrankenanlage an der Langestraße.
Wir müssen also jetzt tatsächlich bei jeder Durchfahrt zweimal aussteigen und wieder einsteigen?
Sobald wir Besuch erwarten, muss der sich telefonisch melden, damit wir zur Schranke eilen?
Wie kommen gehbehinderte Nachbarn, die für den Arztbesuch ein Taxi rufen müssen, jetzt nach Hause? (Ich tippe auf einem am Rollator befestigten Schlüssel, richtig?)
Wie erreichen mich Postbote und Paketzusteller – oder anders gefragt: Muss ich meine Pakete jetzt ab sofort immer selbst abholen?
Ist es wirklich nötig, das ich jeden Ruf nach dem Pizzataxi jetzt mit einem Spaziergang verbinde?
Wer presst das Handtuch auf die blutende Wunde, während ich die Schranke für den Notarzt oder die Feuerwehr öffne?
Weiß die Müllabfuhr von der Beschränkung. Bei der Informationskette fehlen ja offensichtlich dann und wann mal ein paar Glieder.
Eines muss man den Verantwortlichen lassen: Sie haben Humor.
Satiren musste man früher schreiben, heute passieren sie von allein. 
Und doch will ich zugeben, dass ich mich auf die funktionierende Schranke freue. Ich beabsichtige nämlich, mich mit einem Klapptstuhl dort zu positionieren  und breit grinsendjedem Nicht-Anlieger beim Wenden zuzuwinken. 
Selbstverständlich war um 13 Uhr niemand mehr an der entsprechenden Dienststelle erreichbar, den ich hätte darauf hinweisen können, dass uns hier Schlüssel fehlen.
Aber ich bin sicher, es wird alles noch ein gutes Ende nehmen. Falls nicht, werden wir unsererseits die Stadt Herne in die Schranken weisen.
Vielen lieben Dank.

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