Donnerstag, 27. Juli 2017

Gelesen: "Armada - Nur du kannst die Erde retten" von Ernest Cline...




Ernest Cline tut es erneut. Auch mit seinem Roman „Armada – Nur du kannst die Erde retten“ huldigt er dem Nerdismus, der wohl bedeutsamsten Lebensphilosophie aller Zeiten, auf angemessene Weise.
Gut, ich will nicht leugnen, dass mich die erste Szene ein wenig schockiert hat. Hauptprotagonist Zack beobachtet aus dem Schulunterricht heraus ein UFO über der Stadt. Eine Szene fast so geschrieben, wie eine gefühlte Million schlechter Amateur-Kurzgeschichten aus den Achtzigern, die zu recht niemals die Schubladen verlassen haben, in denen sie vergessen wurden. Was im ersten Moment nach schlechtem Handwerk aussieht, ergibt in diesem Kontext als Stilmittel einen Sinn. Zack, Sohn eines begnadeten Computerspielers und Verschwörungsspinners, den ausgerechnet eine Explosion in der städtischen Kläranlage in Stücke gerissen hat, befürchtet schon lange, er könnte die Vollmeise seines Vaters geerbt haben. Glücklicherweise stellen sich Pappas Theorien über Videospiele als Trainingssysteme für den Kampf gegen Aliens als die reine Wahrheit heraus. Gut für Zacks geistige Gesundheit, schlecht für die gesamte Menschheit.
Natürlich hat Cline schon auf der ersten Seite damit begonnen sein obligatorisches Feuerwerk an Genrezitaten abzubrennen. Und dafür lieben wir ihn. Aber Moment, da war was. Vielleicht sollten wir doch noch mal kritisch nachhaken. Spielautomaten als Kampftraining gegen Aliens? Sorry, aber das hatten wir doch schon mal. Sowohl in der Literatur als auch im unterschätzten aber in Wahrheit brillanten „The Last Starfighter“ aus dem Jahr 1984.
Wie geht man als Autor denn jetzt damit um, dass man eine Idee nutzt, auf die andere schon längst gekommen sind? Ganz einfach: Indem man eben genau diese Stories und Filme in den eigenen Roman mit einbaut und sie zum Teil einer großen Verschwörung macht. Hollywood und die gesamte Wissenschafts-Popkultur verkörpert durch Ikonen wie Carl Sagan,  Neil Tyson DeGrasse oder Michio Kaku stecken da natürlich mit drin. 
Apropos Sagan: Cline war wohl genau wie ich in seiner Jugend absolut fasziniert von der Serie „Unser Kosmos“. Schön, dass er Sagan sogar posthum zum Hauptdarsteller macht und die Serie und seinen Roman und den Film Contact ebenfalls zum Bestandteil des „großen Plans“. Ach ja, Jill Tarter, das reale Vorbild für die im Film von Jodie Foster verkörperte Elly Arroway, darf sich auch über ein literarisches Cameo freuen.
Clines Metaverschwörung verfolgt das Ziel, alle Bewohner des Planeten Erde auf eine Invasion durch Aliens vorzubereiten. Jeder kann sich per XBOX, Playstastion, Tablet oder PC live am Kampf gegen die außerirdische Invasionsflotte beteiligen. Herrlicher Plot, wenn auch irgendwie platt.
Und wieso erklären Aliens der Menschheit den Krieg und geben ihr dann mehr als vierzig Jahre Zeit, sich durch Science Fiction Filme und Videospiele auf die entscheidende Schlacht vorzubereiten?
Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten.
„Armada“ ist Science Fiction Für Geeks. Vor allem für Gamer-Geeks. Ein triefender literarischer Cheesburger, der so richtig satt macht und noch dazu leicht verdaulich ist. Auf den amerikanischen Patriotismus hätten wir gut verzichten können, wenn man auch wohlwollend anmerken darf, dass es hier mehr um terranischen Patriotismus geht.
Insgesamt überzeugt mich die Story nicht ganz so wie Ready Player One, aber seinen Erstling zu toppen, dürfte selbst für Cline selbst kaum noch möglich sein.
Ach ja, Cline teilt übrigens meine Ansichten darüber wie man Sporthallen endlich sinnvoll nutzen kann: Wenn man das Dach weg sprengt, kann man einen Raumjäger darin landen.
„Armada – Dur du kannst die Erde retten“
Volle Leseempfehlung!

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