Donnerstag, 20. Juli 2017

Gelesen: "Ready Player One" von Ernest Cline...



Ohne angeben zu wollen: Aber dass ich mit Ready Player One ein wahres Meisterwerk in Händen halte, war mir schon nach spätestens 50 Seiten klar. Ernest Cline muss einer von uns sein. Ein Computerkid der Achtziger. Aufgewachsen in jener Ära also, als Nerds die Welt zu regieren begannen. Natürlich noch ohne zu wissen, dass ihre Subkultur einen Namen haben wird So wie Dinosaurier, denen wahrscheinlich auch nicht klar war, wie cool sie später mal rüberkommen würden.
Cline eröffnet ab Seite drei ein 80er Reminiszenz-Sperrfeuer, das seinesgleichen sucht. Mit seinem Plot hat er dafür auch den perfekten Nährboden angerührt. Im Jahr 2044 ist die Welt ungefähr so den Bach runter gegangen, wie es die Science Fiction ihr immer angedroht hat. Aus der Realität senkrecht gestapelter Wohnwagen retten sich die Kids in die virtuelle Wirklichkeit der OASIS, einem zur konsequenten Zweiexistenz eskalierten MMPOG geschaffen vom Exzentriker James Halliday. Der hat kurz vor seinem Tod ein Easteregg im System hinterlassen, das dem ehrlichen Finder auf der Stelle 240 Milliarden Dollar einbringt. Dafür verbringt man gern den Rest seiner Tage, wenn man jenseits der 3D-Brille sowieso nur gegen eine rostige Containerwand glotzt. Mit der Hysterie um seine Person hat Halliday aber auch einen 80er Kult initiiert, dem unser Held Parzival begeistert frönt. Und wenn Cline über die 80er schreibt, dann weiß er offensichtlich, wovon er redet.
Klar geht es um Star Wars, Star Trek, Dungeons and Dragons, Knight Rider, Zurück in die Zukunft und vergessene kleine Highlights wie Trio mit vier Fäusten oder Simon and Simon. Parzival fliegt passenderweise im Back to the Future DeLorean, mit Knight Rider Sensor vorne und Ecto 88 Kennzeichen hinten durch den Cyberspace.
Der Witz dabei ist, dass ich ständig den Verdacht hatte, Cline hätte mein reales fünfzehnjähriges Ich als Vorlage benutzt. Er teilt unter anderem meine nach-wie-vor-Begeisterung für den Film Wargames und für all die alten amerikanischen Serien, die ich heiß und innig geliebt habe. Von unser aller Fetisch für den Brotkasten, besser bekannt als C64 wollen wir hier erst gar nicht reden. Oder doch? Ja, der C64 kommt mehr als einmal vor.
Was Stranger Things für Fernsehserien war, ist Ready Player One für die Science Fiction Literatur, wobei ich mir sicher bin, dass er für junge Leser – fast – genau so gut funktioniert, wie für fünfzehnjährige Nerds des Jahres 1984, die jetzt im Körper eines siebenundvierzigjährigen Physiklehrers gefangen sind.
Mich wundert übrigens nicht, dass Second Life an keiner Stelle erwähnt wird. Der Überschneidungen mit dem Konzept von OÁSIS sind es dann doch wohl ein paar zu viel. In diesem Zusammenhang mein einziger Kritikpunkt: Ich hätte den alten Cory Doctorow nicht zum Präsidenten einer virtuellen Welt gemacht. Er weigert sich nämlich, in Second Life zu lesen. Ich weiß das ziemlich genau. (Grinst) Aber Whil Wheaton würde ich wählen.
Ready Player One.
Absolute Leseempfehlung!

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