Dienstag, 9. Januar 2018

Mehr als ein Jahrzehnt im (kleinen) Cyberspace und wie das mein Leben verändert hat...

Nein wirklich, keine Angst, das hier wird kein glühendes Plädoyer für virtuelle Lesungen. Es soll nicht um die Brennenden Buchstaben gehen, oder sagen wir es so: der Fokus wird nicht auf Lesungen liegen. Ehrlich.
Falls euch dieses ganze Second Life Ding sowieso nicht interessiert, tut euch das nicht an. Falls meine Memoiren zu weitschweifig ausfallen (und ich glaube, dass sie das tun) springt ruhig in die Mitte. Oder sucht nach eurem Namen, falls ihr einfach nur wissen wollt, ob ich euch erwähne.
Nach all den traurigen Ereignissen, die hier in den letzten Wochen dominierten, möchte ich einfach mal darüber schreiben, welche großartigen Effekte meine Begeisterung für die Spielzeug Matrix hoch ins reale Leben gezeitigt hat. Das hat sie tatsächlich! 
Vieles davon ist fabelhaft und ich blättere gern im neuen und alten Blog (das ich Ende 2012 auf privat geschaltet habe), um mich zu erinnern.
Wie das alles angefangen hat?
Die Initialzündung war wohl ein Abend irgendwann Ende 2007 oder Anfang 2008. Im Fernsehen lief ein Beitrag über einen Typen, der sich in Second Life einen Namen als DJ gemacht hatte. Meine damalige Freundin fand das völlig absurd und tat das mit einem „Soll er sich das gefälligst im realen Leben trauen“ ab. Bei mir hingegen stellte sich so eine Art Gänsehautmoment ein, denn ich dachte: „Verflucht, das ist genau mein Ding. Nur nicht mit Musik, sondern mit Büchern!“
Es klingt seltsam, aber ich war mir damals sicher, dass es sinnvoll und wichtig sein würde, mich intensiver damit zu befassen. Und das hat sich bewahrheitet.
Nicht, dass mir meine Aktivitäten im Metaversum zu Ruhm und Reichtum verholfen hätten. Aber sie waren von großer Bedeutung für mein Leben in den letzten zehn Jahren.
2007 und 2008 würde ich als meine experimentellen Jahre in Second Life bezeichnen. Ich war schon vor dem oben erwähnten Fernsehbeitrag mit meinem heutigen Avatarnamen registriert,abr zunächst ein wenig vom rechten Weg abgekommen. Um es unumwunden zuzugeben...nun ja, ich war...also das fällt mir jetzt nicht leicht...ich war Clubbesitzer.
Ich war jung, ich brauchte die Kohle...nein, weder das eine noch das andere. Kohle gab es dafür eh keine. Ich hatte 2008 einen Cyberpunk Club, das Neocortexx in dem ich ein paar Cyberpunk DJ Events veranstaltet habe. Der Club war übrigens so eine Art Raumstation, in deren Rumpf eine nicht detonierte Atomrakete steckte. Es gab Cybertanks, Schaltpulte, Bilder von futuristischen Metropolen und Tanzflächen. 


Hüstel: Ein Blick in den Neocortexx. Meinen Cyberpunk Club anno 2007.

An den Wänden hingen Plakate, die auf das Nova Science Fiction Magazin und die Visionen Anthologien von Mommers hinwiesen. Damals habe ich aber noch keinen Gedanken daran verschwendet, jemandem dort etwas vorlesen zu wollen. Ich war mir ziemlich sicher, dass sich dafür niemand interessiert hätte. Irgendwie war ich, was das angeht, noch nicht auf die richtigen Leute gestoßen.
Dann stand eines Tages ein Avatar namens Georg Janick in meinem Club. Wir kamen ins Gespräch und Georg entpuppte sich als Philosophie Professor Gary Zabel aus Boston. Er hatte gerade eben das Caerleon Kollektiv gegründet. Eine Künstlerkommune in Second Life. Prompt stellte er auch mir eine Parzelle auf Caerleon zur Verfügung, die ich mit einem abgestürzten Luftschiff dekorierte, aus dem Bücher auf den Strand gepurzelt waren.
Meine Nachbarin keine geringere als Bryn Oh höchstpersönlich. Damals wurde spekuliert, ob hinter dem weiblichen Avatar eigentlich ein Mann steckt. Heute ist kein Geheimnis mehr, dass der Kanadier Brynley Longman die wahrscheinlich berühmteste Künstlerin in Second Life erschaffen hat. Bryn stellt virtuelle Kunst schon seit Jahren in richtigen Museen aus und arbeit mit Regisseuren wie Peter Greenaway zusammen.
Für Georg Janick habe ich zum ersten mal einen Vortrag in Second Life gehalten. Vor Georgs beziehungsweise Garys Philosophiekurs an der Universität in Boston. Es ging um die Geschichte der virtuellen Realität in der Science Fiction. Die Uhrzeit war etwas ungewohnt. 2 Uhr morgens. An einem Montag. Und bedauerlicherweise stand mir für meine Ausführungen auch Voice nicht zur Verfügung. Das war damals noch zu instabil. Also habe ich alles live eingetippt. Bis 3 Uhr morgens.
Das wurde ein ziemlich müder Montag. 

 "Project 38". Die erste richtige Lesung.


Im Januar 2009 habe ich auf Caerleon dann zum ersten Mal meine eigentliche Idee umsetzen können. Die Story „Project 38“ war in der amerikanischen Sammlung „The Black Mirror“ erschienen. Für die Lesung habe ich ein eigenes Bühnenbild gebaut und es fanden sich rund ein Dutzend Zuschauer ein.
Was jetzt noch fehlte, war ein deutschsprachiges Publikum.
Schon im Mai 2007 war ich Case Schnabel begegnet. Case war im realen Leben kein anderer als Majo, der Hintermann des bekannten Blogs Industrial Technology & Witchcraft - für das Sascha Lobo einst jenen Artikel über sein havariertes IT-Unternehmen schrieb, der ihn bekannt machte. Ich kann euch sagen, das globale Dorf ist manchmal echt winzig. Case fuhr voll auf Second Life ab, er baute jede Menge Steampunk Maschinen, später eine ganze SIM, die er den technischen Visionen von Bayernkönig Ludwig widmete.
Nach einer einstündigen Plauderei mit Case Schnabel beschlossen wir eine Gruppe für deutschsprachige Blogger in Second Life zu gründen. Die German Bloggers. Das hat mich zwar nicht berühmt gemacht wie Sascha Lobo, führte aber indirekt dazu, dass ich meine Frau kennengelernt habe. Sie und ihr Projekt: Die Brennenden Buchstaben.

Das geschah im Frühjahr 2009. Eine Bekannte lud mich ein, mir eine Literaturlesung auf einer Burgruine im virtuellen Saarland anzusehen. Sie forderte mich außerdem auf, die Veranstalterin in die oben erwähnte Gruppe German Bloggers einzuladen. Weil wir ja beide was mit Literatur machen. So traf ich also auf Zauselina Rieko, mit der ich schon im Juni die erste gemeinsame Lesung organisierte. Da waren wir dann auch schon ein Paar im realen Leben.
Darüber wie sich das mit den virtuelle Lesungen on da an weiterentwickelte, habe ich schon oft geschrieben. Es soll ja darum gehen, wie sich diese Aktivitäten in mein echtes Leben hinein ausgewirkt haben.
Diese Flucht in eine Parallelwelt, wie manche es vielleicht beschreiben würden.
Für mich hat sie exakt das Gegenteil von dem bewirkt, was Medienkritiker immer so gern heraufbeschwören. Ich habe mich nicht in einer rosaroten Oase aus Bits und Bytes verbarrikadiert und bin damit endgültig zum Eremiten geworden. 

Steampunk-Hochzeit mit Kirsten im Oktober 2014.


Sollte mein Enkel mich irgendwann mit Highscores beeindrucken wollen, wird er vielleicht sogar Profigamer, der millionenschwere Werbeverträge unterzeichnet, werde ich immer nur lässig entgegnen: „Das ist doch gar nichts. Ich habe deine Oma in einem Videospiel gewonnen.“
Ich glaube, ich bin tatsächlich ein Positivbeispiel. Ein Virtual Reality Anwender auf dessen Leben der Umgang mit dem Cyberspace eine quantitativ messbare positive Wirkung hatte.
Die reale Ehefrau drüben in der Matrix kennengelernt zu haben, ist doch nicht zu toppen.
Und trotzdem längst nicht alles.
Vor allem die letzten Wochen mit all ihren traurigen Momenten haben mich nachdenklich gemacht. Mir ist bewusst geworden, wie viele echte und wichtige Vernetzungen für mich aus dem Metaversum heraus erwachsen sind.
Jetzt beginnt aber auch der eigentlich riskante Teil. Ich werde Namen erwähnen und ich werde - das ist viel schlimmer – wichtige Namen vergessen. Eventuell weil ich gerade ein paar Wochen nicht mit ihnen gesprochen habe, oder aus reiner Schusseligkeit heraus, oder...ach, was weiß ich. Gerade wenn es um all die Schriftsteller geht, würde es den Rahmen sprengen, jeden einzelnen zu erwähnen.
Aber meine Frau Kirsten hatte ich erwähnt, oder? Ach ja, da steht sie ja.
Da sind zum Beispiel noch all die Leute, die mysteriöserweise mit uns zusammen arbeiten. Die Reihenfolge, in der ich sie erwähne, entspricht übrigens keiner Hierarchie oder so etwas. Ich schreibe so drauf los, wie es mir in den Sinn kommt.

Warum nicht mit Miara Lubitsch und Kjs Yip anfangen? Das ist schon ne besondere Geschichte. Kirsten hatte vor Jahren die Idee unsere damalige SIM zum Künstlerdorf zu machen. Schreiber, Musiker, bildende Künstler. Das haben wir dann auch in die Tat umgesetzt, die SIM sogar umbenennen lassen und es versammelten sich schnell Freunde wie Moewe Winkler, Sabine Schäfers, Sina Souza und eben Miara und Kjs um uns. Das Problem dabei war, dass wir einen relativ großen Teil dieses Standorts auf eigene Kosten erhalten mussten. Gut, das hat uns nicht abgehalten.
Es kam allerdings wie es kommen musste. Auch im Cyberspace hält nichts für die Ewigkeit und der Betreiber der SIM zog sich aus Second Life zurück.
Und welches Wunder passiert? Miara und Kjs melden sich. Sie hatten schon lange mal wieder Lust drauf, eine komplette SIM für ihre Projekte zu haben.
Aber nur wenn wir dabei sind. Und sie soll sogar noch Kreativdorf heißen. Und die Brennenden dürfen dort bauen, wie sie lustig sind.
Aber um die SIM selbst kümmerte sich von nun an Miara. Auch darum, dass das alles finanziert wird. Klar zahlen wir Miete, so dass die doch recht beachtlichen Kosten für so eine SIM wieder hereinkommen. Zumindest annähernd. Aber Zauselina und ich müssen uns darum keinen Kopf mehr machen.
Als wäre das nicht schon großartig genug, hat uns Miara auch noch ein riesiges Theater aufgestellt und Kjs hat es – zunächst spaßeshalber – Brennendes Theater genannt. Und das obwohl wir weder ihm noch Miara jemals real begegnet sind. Hat sich einfach nicht ergeben. Das ist aber auch nicht wirklich entscheidend.
Mir bleibt einfach nur zu sagen: „Danke, Miara und Kjs!“

Reden wir mal über BukTom Bloch. Buk ist...Buk. Eine ganz eigene Mischung. Wie würde ich ihn charakterisieren. Ein absolut prinzipientreuer Mensch, der genau weiß, worauf es ihm ankommt und im Zweifelsfall keine Kompromisse macht.
Buk ist auch ein eifriger Second Life Chronist. Wenn es um Kunst oder Literatur geht, ist er dabei und dokumentiert jede Veranstaltung. Auch die der Brennenden Buchstaben.
Man kann sich darauf verlassen, dass meist noch während der Lesung ein Blogposting mit vielen Bildern online geht. Das macht er, einfach so. Ohne dass man ihn bitten müsste. Mal ganz davon abgesehen, dass er so etwa 15 Minuten vor Beginn noch mal seine eigene Werbemaschine ankurbelt und einen finalen Veranstaltungshinweis durch jede Gruppe jagt. Mal ganz davon abgesehen, dass er oft genug bei uns mitmacht und sich sofort einschaltet, wenn wir mal was brauchen. Buk hat auch schon bei uns im realen Garten gesessen. Zweimal mittlerweile.
Auch dir unseren Dank, Buk.

Moewe Winkler ist schon lange im Kreativdorf und natürlich nicht nur dort. Sie bleibt stets gelassen und spätestens, wenn man mit ihr voicet kommt ihre unverwechselbar norddeutsche Art besonders gut rüber. Moewe macht vor allem ihr eigenes Ding. Aber wenn man mal eine Idee hat, ist sie sofort Feuer und Flamme und, ja, kann man nicht anders beschreiben, gibt alles. Moewe bin ich zwar auch noch nie in Fleisch und Blut begegnet, aber sie ist zweifellos eine gute Freundin, die uns auch schon oft unter die Arme gegriffen hat.
Danke dafür, Moewe.

Markus Gersting ist schon eine ganze Weile Kreativdorfler. Auch er zieht seine eigenen Projekte durch, zum Beispiel die Arbeit am Hydrogol-Universum. Die dazu passende Hünensphäre schwebt an unserem Himmel. Markus bringt gern neue Kontakte in zweite Leben und beteiligt sich fast immer an den großen Events. Er war auch schon bei unserem Pixelgrillen in der realen Welt zu Gast. Ein Typ, mit dem ich mich einfach gut verstehe. Wie Buk ist auch er ein Chronist in der virtuellen Welt und bloggt oft über unsere Veranstaltungen. Davon abgesehen ist er der richtige Mann, wenn sich deine Grafikkarte plötzlich nicht mehr mit dem Client unterhalten möchte.
Danke, Markus!


Sabine Schäfers alias Joey Twoshoes hat lange im Kreativdorf residiert und dort ihr eigenes Literaturcafé organisiert. Bei unseren großen Veranstaltungen ist, sie immer mit dabei. Mittlerweile habe ich sie schon auf zwei Realcons getroffen, beim letzten habe ich sie auch noch interviewt. Ich bin sicher, sie wird noch öfter mit uns zusammen Projekte stemmen.
Schön, dass du dabei bist, Sabine.

Natascha Randt unterstützt uns immer wieder mit ihrer Videokamera, wenn sie unsere Lesungen mitschneidet oder vorher cineastische Trailer in den Bühnenbildern dreht. Sie sind jedes mal ein absoluter Hammer.
Danke dafür Natascha!

Wilfried Abels alias Wilfried Virtuell leitet seit dreieinhalb Jahren die SL Schreibgruppe. Das ist rekordverdächtig. Die meisten Gruppen dieser Art, die ich in Second Life erlebt habe, sind nicht über das dritte oder vierte Treffen hinausgekommen. Wilfrieds Projekt ist unabhängig von den Brennenden Buchstaben, gehört aber doch irgendwie zu uns dazu. Schon allein weil er sich damit jedes Mal an unseren Veranstaltungen beteiligt.
Danke für deine Arbeit, Wilfried.

Michael Iwoleit alias Maikelkay gehört auch hierher. Gut, wir waren schon vorher Kumpel, aber wir arbeiten auch in SecondLife zusammen. Obwohl er eigentlich Schriftsteller ist, habe ich ihn zu unserem Soundtrackexperten umfunktioniert. Er lässt das gern mit sich machen. Ich sage: „Michael, ich brauche einen Soundtrack“ und er antwortet. „Klar, wann?“
Dann giften wir meistens noch eine halbe Stunde darüber herum, warum wir durch unsere Kurzgeschichten nicht zu Millionären werden (worin ich ehrlich gesagt das einzig echte Symptom für die geistige Verödung des Abendlandes sehe) und stürzen uns dann in die Zusammenarbeit.
Danke dafür, Michael.

Auch die Leute von der Villa, Nidatine und Seraph sollen hier nicht unerwähnt bleiben. Seraph hat uns in den letzten Monaten als Livekameramann bei mehreren Aktionen unterstützt. Vom Interview und der Lesung von Jens Gehres, über Confinement bis zum Auftritt von Dirk van den Boom. Ich bin ihm übrigens vor einigen Jahre bei einem Steampunkevent persönlich begegnet.
Danke dafür am Nidatine und Seraph.

Barlok Barbosa alias Bernhard Bettschen ist definitiv ein guter Freund. Wir beide verstehen uns prächtig. Meistens nur chattenderweise, gelegentlich auch via Voice. Wobei ich unsere Freundschaft als sehr einseitig empfinde.
Ich sage ihm: Barlok, ich brauche ein Luftschiff. Er stellt mir ein paar Fragen und dann...dann baut er das Ding. Und eigentlich weiß ich gar nicht, warum er das tut. Wieso es ihm Spaß macht, seine Zeit zu vertrödeln, um MEINE Hirngespinste, oder eben die unserer Gäste in 3D-Modelle zu verwandeln. Aber es muss wohl so sein, denn noch während er eine ganze SIM für mich in eine Festung, ein Schlachtfeld oder ein Raumschiff verwandelt, will er schon wissen, was er als nächstes herstellen darf.
Er muss längst mehr als eine Millionen Prims für die Brennenden Buchstaben gerezzed haben. Und er ist ein wahrer Kumpel.
Vielen Dank dafür, Barlok.

Und natürlich sind da noch all die Schriftsteller. Manche sind besonders oft bei uns und es ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, auch mal real zusammen zu lesen.


Mit Anja Bagus und Frederic Brake live.

Mit Anja Bagus beispielsweise. Ich finde sie einfach töfte und wir stellen uns so oft wie möglich auch auf der Holzbühne zusammen hinters Mikrofon.
Danke dafür, Anja.

So ist das auch mit meinem Freund Frederic Brake. Er ist ein feiner Kerl. In letzter Zeit hat er sich oft erkundigt, wie es mir so geht. Schon vorher stand er mir bei ein oder zwei unschönen Gelegenheiten zur Seite. Das rechne ich ihm verdammt hoch an. Frederic und ich versuchen so oft wie möglich auch in der wirklichen Welt zusammen zu lesen. Zum ersten Mal 2012 als er bei unserem Bücherpicknick in Duisburg dabei war.
Danke dir, Frederic!

Manchmal fragst du dich natürlich, wie die anderen so eine Freundschaft gewichten. Bernhard Giersche hat diese Frage für mich auf sehr drastische Art beantwortet, als er mich gebeten hat, die Trauerrede auf seiner Beerdigung zu halten. Ihr kennt die Geschichte.
Danke für alles, Bernhard.

Ich müsste auch Gabriele Behrend erwähnen. Wir kannten uns zwar schon vor dem virtuellen Projekt, aber sie hat bei uns gelesen, während ich immer ein oder zwei Programmpunkte zum Dortcon beitragen konnte. Er wird mir 2019 übrigens sehr fehlen, aber das wisst ihr ja.

Oder Jennifer B. Wind und mit ihr Petra K. Gungl, die in den letzten Jahren viele Lesungen in Second Life und nicht nur bei uns absolviert haben.

Wenn ich vor zehn Jahren auf Cons unterwegs war, kannte ich vielleicht drei oder vier Leute persönlich. Natürlich kam man auch mal ins Gespräch, selbstverständlich wurden auch da und dort Kontakte geknüpft. Aber gerade auf Conventions merke ich, wie viele Leute ich durch das Buchstabenprojekt kennengelernt habe. Von selbst auferlegter Isolationshaft im stillen Kämmerlein kann keine Rede sein.
Bei einem ein Besuch auf der RPC, dem Buchmessecon oder einem der vielen Steampunkevents treffe ich heute an jeder Ecke jemanden, der schon einmal als Vorleser oder Verleger bei uns in SL war. Da klopfen einem so tolle Typen wie Peter Hohmann auf die Schulter, oder man liest mal zusammen mit Tom Daut oder Torsten Low. Oder ich quatsche mit Ralf Steinberg vom Fantasyguide, der oft über unsere Lesungen berichtet. 
Ja, ich müsste jetzt noch zwei oder drei Dutzend Leute nennen.
Ich könnte mittlerweile allein zehn Stunden auf einer Convention damit verbringen, alle diese Kollegen zu interviewen. Dabei kommt dann auch mal so was heraus, wie das halbstündige Gespräch mit Michael Marrak im Oktober in Dreieich. Hat mich wahnsinnig gefreut, dass er auf mich zukam, weil er bei uns den „Kanon der mechanischen Seelen“ vorstellen wollte und zusätzlich das Cover seines ganz neuen Romans.
Ihr merkt schon, ich komme an meine Grenzen. Ich kann nicht jeden aufzählen, aber ich mag sie alle.
Das ist auch ein wichtiger Grund, das hier zu schreiben. All die Leute um mich herum mal wissen lassen, wie sehr ich sie schätze.
So, jetzt ist es raus!

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Bilanz meiner Fluchtanstrengungen als digitaler Eskapist ein wenig euphorisch klingt. Aber so nehme ich es wahr.
Ich habe unseren Projekten in der Minimatrix, ob nun Second Life, oder Open Sim einige sehr reale und positive Entwicklungen zu verdanken. Dabei hatte ich natürlich Glück, es mag aber auch etwas mit meiner persönlichen Philosophie vom „Avatar sein“ zu tun haben.
Für mich ist Kueperpunk Korhonen kein Emigrant in einer Ausweichrealität, er ist eine Erweiterung meiner selbst in den Cyberspace und wird nur dann gebraucht, wenn etwas auf dem Monitor passiert.
Ich denke schon, dass man zu lange im Spiel bleiben kann. Aber ich kann hier keine Zahl nennen, keine Zeitlinie, die man auf gar keinen Fall überschreiten sollte.
 In meinem Fall beschränken sich meine Aufenthalte in Second Life (mittlerweile) fast ausschließlich auf die Veranstaltungen und die kurzen Zeitphasen, die ich für Werbung und Vorbereitung inworld brauche. Ich hänge viel länger vor dem Monitor, um mich in sozialen Netzwerken umzusehen, oder das Blog zu aktualisieren.
Ich werde aber den Teufel tun und anderen erklären, wie sie mit Virtual Reality umzugehen haben. Ich bin sicher, ihr seid alle clever genug, um das für euch selbst herauszufinden.
Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg dabei!

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